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    Wie alles anfing




Die Entstehungsgeschichte des Feministischen Instituts

Die Mutter: Frauenanstiftung

Wie so viele Anfänge ist auch dieser eher unspektakulär. Drei Frauen sitzen ratlos in der Kneipe und grübeln gemeinsam darüber nach, was aus der Frauenanstiftung werden soll. Wer es nicht weiß: Die Frauenanstiftung war eine feministische grünennahe Stiftung, die in ihrer Hochphase 46 über fest angestellte Mitarbeiterinnen, 16 Außenbüros, ein Studienwerk und einen Jahresetat von fast 16 Millionen D-Mark verfügte und Frauenprojekte in aller Welt finanzierte. Aber die Frauenanstiftung, die von 1988 - 1998 existiert hatte, musste fusionieren. Die Grüne Partei wollte sich nicht länger drei Teilstiftungen leisten. Sie wünschte sich eine einzige große Stiftung, die Mittel und Energien bündelt.

Der Vater: Heinrich Böll Stiftung

Man verhandelte lange über Proporze, Prozente, Kontingente. Die Stiftungsfrauen kämpften hartnäckig um Frauenrechte, Autonomie und feministischen Einfluss. Kurz vor dem Scheitern der Verhandlungen erreichte man einen Kompromiss. Es sollte beides geben: Fusion mit der neuen Gesamtstiftung unter geschlechterdemokratischen Vorzeichen („Integration“) und Einrichtung eines eigenständigen feministischen Instituts („Autonomie“). Und nun zurück zur Kneipe. Dort fällt der historische Satz: „Feministische Politik muss wissenschaftlich begleitet werden. Wir brauchen einen feministischen think tank.“ So keimte die Idee des feministischen Instituts – befruchtet mit etlichen Uzo’s und aufgeschrieben auf einer Serviette für den Tag danach. [Profil]

Die Patinnen: Frauenszenen

Aber bis zur Geburt dauerte es noch. Zunächst gab es viele Patinnen, die sich Gedanken machten, was aus dem Baby mal werden soll. „Eine Villa  Massima“ freute sich eine Dame, die später mal Kultursenatorin werden sollte. „Ein antirassistisches Forschungsinstitut“ mahnte eine türkische Migrantin. „Ein Politikinstitut“ riet eine Forscherin aus Frankfurt. „Ein Kulturprojekt“ träumte die Künstlerin. Diese und andere Diskussionen sind in der  Broschüre „Leidenschaft für die unbequeme Sache“ bzw. in einem Artikel von Gunda Werner dokumentiert. Siehe  [Geschlechterdemokratie] und [Publikationen].

Lehr- und Wanderjahre

Misstrauisch beäugt von allen Seiten kam das Institut nach etlichen Kämpfen und Krämpfen zur Welt. Seine Ausstattung war zu Anfang eher biblisch: eine einzige Stelle und Sachmittel. Den geschlechterdemokratischen Schwestern ging es besser, sie konnten die neue Stiftung mitgestalten und hatten mehr Einfluss. Das Institut dagegen stand unter ständigen Zerreißproben, viele Ansprüche wurden gestellt, vieles war nicht machbar. Aber das Institut war zäh. Es bekam Zähne, lernte laufen,  wurde eine gute Schülerin und fand viele FreundInnen. Zwar wechselten die erschöpften Pflegepersonen, aber es selbst gewann mehr und mehr Ansehen und Einfluss, leitete erfolgreiche Projekte, Kampagnen und Konferenzen und wurde schließlich international bekannt. Ende gut, alles gut.

 


Aktualisiert: 16.06.2006