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Thema 1
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Gender Mainstreaming
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Workshop 1.7 |
"Gender Mainstreaming oder Utopien für eine andere (Um)Welt?" |
Samstag, 10.09.2005, 15.00-16.45 h genanet – Leitstelle Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit

| Referentinnen
- Minu Hemmati, Beraterin/Koordinatorin für internationale Prozesse im Bereich Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit, Deutschland/Belgien
- Ilona Plattner, attac, Deutschland
Moderation: Anja Becker, genanet, Deutschland
In der Aktionsplattform der 4. Weltfrauenkonferenz (1995) war das Thema „Frauen und Umwelt“ den Regierungen und Frauenorganisationen noch ein eigenes Kapitel wert – heute stehen Umwelt und Nachhaltigkeit bei frauenpolitischen Organisationen oder im Rahmen von allgemeinen Gender Mainstreaming-Debatten eher selten auf der Tagesordnung. Doch gleichzeitig engagieren sich Frauen gegen Gentechnik, für gesunde Lebensmittel und gegen giftige Chemikalien – das Interesse, sich umweltpolitisch zu artikulieren, besteht bei vielen. Selten jedoch wird dabei die Umweltthematik mit dem Genderblickwinkel betrachtet.
Woran liegt das? Hat die Frauenbewegung Fehler gemacht? Hat durch die häufig mühsame Arbeit an (bürokratischen) Gender Mainstreaming-Prozessen der Blick auf die Ziele an Schärfe verloren? Oder sind unsere Ziele und Visionen, wie Geschlechtergerechtigkeit bezogen auf Umweltschutz, Natur, eine gerechte Ressourcenverteilung etc. aussehen könnte, gar völlig verlorengegangen?
Die seit Peking systematisch verfolgte Strategie des Gender Mainstreaming soll helfen, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit voranzubringen, indem Genderperspektiven in alle politischen Prozesse und Verwaltungsvorgänge eingebracht werden. Gender Mainstreaming gilt als der strategische Ansatz, der Institutionen auf allen Ebenen geschlechtergerecht umbauen und stereotype Geschlechterrollen hinterfragen und verändern soll. Doch kommt der Erfolg nur mit sehr kleinen Schritten. Es scheint, dass „alle verbliebenen“ Frauenbewegten und Feministinnen zwar viel Kraft in institutionelle Prozesse stecken, aber damit zum einen kaum noch sichtbar sind, zum anderen Zeit und Energie fehlen, um auf parallelen Wegen die Geschlechtergerechtigkeit voranzutreiben. Fehlt den in institutionellen Gender Mainstreaming-Prozessen mitarbeitenden Frauen und Männern eine feministische Bewegung, die in der Öffentlichkeit wahrnehmbar für Geschlechtergerechtigkeit kämpft? Auch andere Basisbewegungen (in Deutschland oder Europa), wie die Umweltbewegung, sind so stark in politische Prozesse eingebunden, dass sie nur noch selten Standpunkte für eine wirkliche Veränderung gesellschaftlicher und ökonomischer Strukturen beziehen. Neuere Bewegungen wie Attac und weitere Strömungen der unter der Bezeichnung „globalisierungskritisch“ bekannten Akteure, pflegen eine Herrschaftskritik, die feministische Aspekte genau wie den Umwelt/Naturbezug als Querschnittsthema ebenfalls vermissen lässt.
Wo aber sind die PatriachatskritikerInnen, oder jene, die bestehende Herrschaftsverhältnisse politisch grundsätzlicher kritisierten, geblieben? Sind sie versunken im Mainstream der „angepassten Partizipation“ (Claudia Bernhard), die in Abhängigkeit von der Zustimmung zu den Strukturen gewährt wird? Oder hat gerade die für die Anbindung der Genderperspektive so vielversprechend erscheinende Nachhaltigkeitsdiskussion zur Verschleierung der Machtverhältnisse und zum Anpassungsprozess des herrschaftskritischen Feminismus beigetragen? In dem Workshop treffen sich Umweltbewegte mit Geschlechtergerechtigkeitskämpferinnen und diskutieren Realität und mögliche Visionen sowie Ansatzpunkte für eine neue feministische geschlechter- und umweltpolitische Bewegung in Europa.
| Kontakt
Anja Becker, genanet – Leitstelle Geschlechtergerechtigkeit und Nachhaltigkeit, LIFE e.V., Hohenstaufenstr. 8, D-60327 Frankfurt/M., Tel. 069-740757, Email: becker@genanet.de, Homepage http://www.genanet.de/
Aktualisiert: 11.08.2005, hbr
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