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Thema 3

Fundamentalismen und Frauenrechte

Plenum 3.1

Podiumsdiskussion: "Feministinnen versus Fundamentalismen" 

Freitag, 09.09.2005, 11.15-13.00 h
Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Indien, Nigeria, Pakistan, Palästina, Thailand, Türkei
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   | ReferentInnen

Moderation: Durre Sameen Ahmed, National College of Arts, Lahore, Pakistan

In zahlreichen Ländern können wir weltweit einen steigenden Einfluss fundamentalistischer Kräfte in den Gesellschaften und auf internationaler Ebene beobachten.
Fundamentalismen, verstanden als politisches Projekt bestimmter Gruppen in den einzelnen Ländern, die nach politischer oder ökonomischer Macht streben bzw. diese beibehalten wollen. Sie entwickeln eine Vision von Gemeinschaft und häufiger noch von Nation, die auf einem Identitätskonzept basieren. Dieses Identitätsverständnis suggeriert, dass nur ein soziales und gesellschaftliches Konzept mit der Vision von Gemeinschaft/Nation übereinstimmt. Hinter diesen fundamentalistischen Projekten verbergen sich politische Kräfte, die Religion – Christliche, Muslimische, Jüdische oder andere – benutzen, um ein bestimmtes „heiliges“ Konzept von Gesellschaft als das einzig wahrhaftige zu oktroyieren. Sie sprechen das Recht ab, zwischen verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Konzepten  zu wählen. Ihr Verständnis wird als das einzig legitime dargestellt. Sie lassen keinen Raum für Opposition, für alternative Vorstellungen oder für individuelle Rechte. Sie versuchen, oppositionelle Kräfte zum Schweigen zu bringen, üben Druck auf diese aus und wollen eine homogenisierte Gesellschaft formen.

Daher muss unbedingt aufgezeigt werden, wer diese Kräfte sind, die fundamentalistische Ideologien und Konzepte verbreiten. Es muss offen gelegt werden, was hierbei ihre eigentlichen Interessen sind. Allerdings ist hierbei besondere Sorgfalt erforderlich, denn auf internationaler Ebene können wir auch erleben, wie bestimmte Gruppen andere Kräfte als fundamentalistisch bezeichnen und bekämpfen, obwohl sie in ihren eigenen Ländern selbst fundamentalistische Konzepte zur Bekämpfung oppositioneller Strömungen propagieren.

Daher ist es von besonderer Bedeutung für uns Feministinnen den Machtkampf auf nationaler und internationaler Ebene zu begreifen, der sich dahinter verbirgt. Diejenigen, die andere als Fundamentalisten diskreditieren, können durchaus selbst Fundamentalisten sein. Gegenwärtig wird der Kampf gegen Fundamentalismus stark mit der muslimischen Religion verknüpft und wird auf der internationalen Ebene als ein Instrument für Machtfragen benutzt, wobei doppelte Standards angewendet werden. Während unter bestimmten Bedingungen, die Rechte von Frauen als Argument zum Kampf gegen Fundamentalisten benutzt werden (US Politik in Afghanistan), versuchen die gleichen Kräfte Frauenrechte, sexuelle und individuelle Rechte im eigenen Land zu begrenzen.

Daher müssen andererseits die Interessen derjenigen offen gelegt und analysiert werden, die fundamentalistische Konzepte propagieren. Häufig werden sie zur Legitimierung bestehender Machtstrukturen benutzt oder dafür, Macht bestimmter Gruppen einzuklagen, während andere von der Teilhabe an der Macht ausgeschlossen werden.

Fundamentalistische Konzepte sind auch im Kontext der Globalisierung zu verstehen. Globalisierung wirkt sich auf die einzelnen Gesellschaften unterschiedliche aus, schließt häufig jedoch soziale Kräfte vom wirtschaftlichen Wohlstand eines Landes aus. Während fundamentalistische Strömungen in den jeweiligen Ländern vorgeben, das einzig wahrhafte Gesellschaftsmodell zu repräsentieren, sind diese auf der internationalen Ebene in der Lage zusammenzuarbeiten und gemeinsam gegen individuelle Rechte, insbesondere von Frauen, gegen sexuelle Rechte und für die Kontrolle über die Frauen im privaten und öffentlichen Raum einzutreten. Zur Entwicklung von Strategien für Frauen die Fundamentalismen auf der nationalen, regionalen und internationalen Ebene herausfordern, müssen wir die unterschiedlichen Aspekte dieser Strömungen verstehen und zu einem Bild zusammenfügen.

In unserer Plenumsdiskussion wollen wir fundamentalistische Strömungen in Frage stellen und die Kräfte dahinter offen legen. Wir wollen nicht unterschiedliche Fundamentalismen vergleichen, sondern die dahinter liegenden Antriebskräfte und unterschiedlichen Fundamentalismen verstehen, um Strategien dagegen zu entwickeln. Wir gehen von einem Verständnis aus, dass es verschiedene Fundamentalismen – christliche, muslimische, jüdische etc. – gibt. Sie unterscheiden sich einerseits aufgrund der unterschiedlichen Religionen, auf die sie sich beziehen. Sie unterscheiden sich aber auch je nach dem gesellschaftlichen Kontext und Hintergrund: muslimische Fundamentalisten in Europa unterscheiden sich von muslimischen Fundamentalisten in arabischen oder asiatischen Ländern.  Dennoch verbindet sie die Gemeinsamkeit, soziale Konzepte von Gemeinschaften zu fordern, die auf Identitäten beruhen und die Pluralität und Komplexität der Gesellschaften negieren.

   | Kontakt

Ulrike Dufner, Heinrich Böll Stiftung, Istanbul, Türkei 
E-Mail udufner@boell-tr.org, Homepage http://www.boell-tr.org/

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Aktualisiert: 01.09.2005, hbr