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Thema 5

Informationsgesellschaft

Plenum 5.1

Podiumsdiskussion: "Frauen kämpfen um die Informationsgesellschaft. Von der Pekinger Aktionsplattform zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft und darüber hinaus"

Freitag, 09.09.2005,  11.15-13.00 h

Heinrich-Böll-Stiftung Berlin
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ReferentInnen

Moderation: Marianne Seger, WSIS Gender Caucus, Deutschland 

Der Zugang zu Medien und die Formulierung von Medienstrategien hat in vielen zeitgenössischen Frauenbewegungen von Anfang an einen großen Stellenwert besessen. Beides ist heute wichtiger denn je, denn der Siegeszug transnationaler Medienkonzerne und die asymmetrische informationstechnologische Vernetzung der Welt schaffen neue Ausschlussmechanismen. Gleichzeitig eröffnen die neuen virtuellen Welten und Kommunikationsplattformen ungeahnte Möglichkeiten für die Vernetzung und Solidarisierung von Frauen und ihre effektivere Interessenvertretung.

Nicht nur lokale, nationale oder regionale zivilgesellschaftliche Frauenbündnisse haben sich Medien und neue Informations- und Kommunikationstechnologien (IKTs) zu Nutze gemacht und für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der sogenannten Informationsgesellschaft gestritten: Vor allem die globalen frauenpolitischen Zusammenschlüsse, die sich im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Interventionen bei den Weltgipfeln der Vereinten Nationen gebildet haben, legten ein großes Gewicht auf geschlechtersensible Medienpolitik und Medienstrategien, von den großen Frauenkonferenzen in Nairobi 1985 und Peking 1995 bis zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS)in Genf 2003 und aktuell demnächst in Tunis (November 2005).

Zunächst ging es in den feministischen Medieninterventionen vor allem darum, in Bezug auf Medieninhalte ein Ende von sexistischen und stereotypen Frauendarstellungen und von Pornographie zu erwirken und stattdessen Normen und Werte wie Frauenrechte, Respekt und Frieden durch Medien zu propagieren. Gleichzeitig sollten Frauen vermehrt selbst bei der Gestaltung dieser Inhalte mitwirken, und zwar vor allem auf der Leitungsebene von Medienbetrieben. Während diese Ziele beileibe noch nicht erreicht sind, wurden im Laufe der Zeit weitere Problemfelder in Bezug auf Medien virulent und neue feministische Ziele abgesteckt. Unter diesen Zielen sind die Nutzung der neuen IKT zur feministischen Netzwerkbildung, die Schaffung von Hardware und Software entlang frauenspezifischer und sozialer Vorgaben, die Überbrückung des digitalen Grabens inklusive seiner geschlechtsspezifischen Ausprägungen und die Ausgestaltung von Medienpolitik und Medienregulierung im Sinne des Allgemeinwohls und der Demokratiestärkung.

Insgesamt kann von einer umfassenden feministischen Politisierung von Medien und IKTs gesprochen werden, die vom Mediendesign bis zu den geopolitischen Medienlandschaften alles umfasst. Zudem erscheinen Kommunikationsrechte sowie der Zugang zu Medien und/oder IKT immer mehr als Grundlage für die Anerkennung und Umsetzung von Frauen-Menschenrechten, Geschlechterdemokratie, Nichtdiskriminierung und nachhaltiger Entwicklung. Es existieren die verschiedensten Modelle für die bestmöglichen Ausprägungen von Medien und Medienlandschaften.

In dem Workshop "Frauen kämpfen um die Informationsgesellschaft" sollen Vertreterinnen von feministischen Netzwerken und Initiativen aus unterschiedlichen geopolitischen Regionen zusammenkommen, um sich über ihre Perspektiven und Erfahrungen auszutauschen. Auf dem Hintergrund von Kurzbeschreibungen der jeweiligen medienspezifischen und sozialen Situation soll eine Bilanz der geschlechterpolitischen Erfolge und Misserfolge von Medienstrategien gezogen werden. Dabei soll es auch darum gehen, die unterschiedlichen Sphären und Schwerpunkte von frauenpolitischem Engagement und die sich verändernden frauenpolitischen Medienbelange zu reflektieren.

Konkrete Fragestellungen, entlang derer sich die Diskussion entwickeln kann, sind beispielsweise die folgenden:

  • Welche Charakteristika kennzeichnen die jeweilige Medienlandschaft/Medieninfrastruktur vor Ort? (z.B. Medienmonopole vs. Monopolkontrolle, staatlich gelenkte Medien vs. private und durch Gemeinschaften kontrollierte Medien, traditionelle Medien vs. digitalisierte, neue Medien, digitale Gräben)
  • Welche gesellschaftlichen Gruppen von Männern und Frauen erbringen Medieninhalte, schöpfen Technologien oder regulieren die Medienlandschaft politisch? Welche Gruppen sind davon ausgeschlossen?
  • Wer nutzt Medien zu welchen Zwecken? Welchen Einfluss auf geschlechtsspezifische Sozialisation besitzen die Medien?
  • Welche frauenpolitischen Interventionen in Bezug auf Medien waren und sind die zentralsten Anliegen, und welche Reaktionen oder Veränderungen haben sie gebracht?
  • Welche Bedeutung hatten die UN-Weltgipfeln für diese Interventionen und Veränderungen?
  • Welche Ziele, Strategien und Bündnisse lassen sich aus diesen Erfahrungen für die Zukunft ableiten?

   | Papers

Gurumuthy, Anita (2005)

"Women's Struggles in the IS - From Beijing to WSIS and Beyond"

Download Abstract

Gurumuthy, Anita (2005)

"Women Contesting the 'Information Society': From the Fourth World Conference on Women in Beijing (1995) to the World Summit on the Information Society (WSIS 2003, 2005) and Beyond"

Download Abstract

Bonder, Gloria (2005) "Which 'building' for the Information Society in Latin America: a challenge in discourse and practices for gender advocates and researchers"

Download Abstract

   | Kontakt

Heike Jensen, Heinrich Böll Stiftung Berlin 
E-Mail jensen@boell.de, Homepage www.boell.de

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Aktualisiert: 19.09.2005