"Denkverbote strengstens verboten!" *
Pionierin der Geschlechterdemokratie
Gunda Werner ist eine Pionierin der Geschlechterdemokratie. Sie hat maßgeblich das von Halina Bendkowski in die bundesdeutsche Debatte eingebrachte Konzept zur Gemeinschaftsaufgabe der Stiftung weiterentwickelt, mit Leben gefüllt und in der Heinrich-Böll-Stiftung erstmals exemplarisch umgesetzt. Von dort aus zog es Kreise. Inzwischen ist es im In- und Ausland bekannt. In vielen Organisationen wird mit mittlerweile Geschlechterdemokratie erfolgreich experimentiert.

Das ist ganz im Sinne der Erfinderin. Geschlechterdemokratie ist in Gunda Werners Demokratieverständnis ein diskursives Konzept. Es lebt von der Auseinandersetzung und der Vielfalt der Ansichten. "Denkverbote strengstens verboten!" sagte Gunda Werner einmal ironisch bei einer Diskussion. Geschlechterdemokratie wurde von Gunda als Bestandteil des demokratischen Diskurses verstanden. Es geht darum, einen beständigen offenen Dialog über Gerechtigkeit, Partizipation und Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu führen, weniger um Forderungen und Kontrolle, die eher zum Instrumentarium der Gleichstellung gehören.
Dialog und Kooperation
Wie das Experiment Geschlechterdemokratie begann, erzählt Gunda in einem Text "Geschlechterdemokratie. Das Leitbild der Heinrich-Böll-Stiftung". Darin beschreibt sie die Entwicklung des Konzepts und ihre Überlegungen zur Umsetzung.
Gundas Planen und Handeln war geprägt von einer systemischen Perspektive. Demnach passieren Veränderungen nicht aufgrund rationaler und strategischer Überlegungen, sondern durch "Verstörungen, Impulse und Sprünge".
Geschlechterdemokratie kann nicht als ideologisches Konzept in eine Einrichtung ‚implantiert' werden, sondern sie muss sich aus Dialog und Kooperation entwickeln. Wichtig ist, dass das Konzept nicht schematisch übernommen wird, sondern sich den Bedingungen der Organisation anpasst. Geschlechterdemokratie ist nichts Endgültiges und Abgeschlossenes, sondern ein "Platzhalter für Neues". Dazu gehört auch "Freude, mit verschiedenen Impulsen zu experimentieren" und die Suche nach einer "gemeinsamen Sprache für produktive Auseinandersetzungen".
Gunda Werner blieb keine Zeit mehr, das Konzept der Geschlechterdemokratie selbst zu veröffentlichen. Als Philosophin und Organisationsberaterin wusste sie auch, dass mit einer noch so guten Theorie Schwierigkeiten der Praxis nicht direkt zu lösen sind. "Eine hochkomplexe Frage braucht eine komplexe Strategie," schrieb sie.
Das "Gunda-Werner-Kolleg" soll diese Arbeit in kritischem und forschendem Geist fortsetzen: komplexe Antworten für komplexe Fragen entwickeln.
(aus dem Buch: "Geschlechterdemokratie wagen", Frankfurt 2003, Gedenkschrift für Gunda Werner)
Aktualisiert: 25.05.2007, hbr