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Zweites Gunda-Werner-Kolleg |
Thema: Genderdynamiken in gewaltförmigen Konflikten
Für die Entstehung und den Verlauf von gewaltsamen Konflikten sowie für die Konfliktbearbeitung spielen Geschlechterverhältnisse eine bedeutende Rolle. So geht der Ausbruch von gewaltförmigen Konflikten nicht nur einher mit krisenhaften ökonomischen, politischen und kulturellen Prozessen, sondern wird auch begleitet von Verschiebungen im Geschlechterverhältnis und von der Erschütterung von (Geschlechts-) Identitäten.
In der Austragung von Konflikten wiederum spielen Geschlechterkonstruktionen der beteiligten AkteurInnen eine erhebliche Rolle, die sich u.a. in den kulturellen Legitimationen des Einsatzes von Gewalt, den symbolischen Anordnungen der Konfliktparteien und in den geschlechtsspezifischen Konsequenzen des Konfliktes niederschlagen. Gewaltförmigen Konflikten gehen notwendigerweise Prozesse der Gemeinschaftsbildung voraus, in denen 'Ethnie' und 'Gender' eine erhebliche Bedeutung haben.
Die Frage, welche Genderdiskurse sich in welchen Kontexten durchsetzen, hat nicht nur Bedeutung für die Austragung von Konflikten und die Konfliktbearbeitung, sondern lenkt den Blick auch auf die Genderverhältnisse in den Staaten, deren militärische PeacekeeperInnen und zivile KonfliktbearbeiterInnen in den jeweiligen Krisengebieten tätig sind.
Ziel des Promovierendenkollegs ist es, wissenschaftliche Arbeiten zur Rolle sowohl von Gemeinschaftsprozessen als auch von Genderdynamiken in der Entstehung, der Austragung und der Bearbeitung von Gewaltkonflikten zu fördern. In diesem Zusammenhang liegt der Schwerpunkt auf
- gewaltförmigen Konflikten in Europa,
- auf der Analyse der internationalen AkteurInnen (u.a. supranationale, staatliche/nichtstaatliche Organisationen, Fraueninitiativen, zivile/militärische PeacekeeperInnen) in Krisengebieten
- und auf die mit diesen Prozessen verbundenen genderpolitischen und kulturellen Rückwirkungen auf die jeweiligen Gesellschaften.
Themenschwerpunkte:
- Gemeinschaftsbildungen, Identität und Gender in gewaltförmigen Konflikten
Wie beeinflussen Verschiebungen im Geschlechterverhältnis und Erschütterungen von Geschlechtsidentitäten die Gewaltbereitschaft und Konfliktanfälligkeit von Gesellschaften und Gemeinschaften? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gemeinschaftsbildung, Identität und Gender bei der Entstehung, der Austragung und der Bearbeitung von gewaltförmigen Konflikten? Welche Bedeutung haben soziale Konstruktionen des Körpers für geschlechtsspezifische Positionierungen zu Gewalt und zur Gemeinschaft sowie für Diskurse über Gewaltkonflikte?
- Globalisierung, Gender und Militär
Welchen Einfluss haben Globalisierungsprozesse auf die Herausbildung neuer Formen von Männlichkeit im Zusammenhang mit Gewaltkonflikten? Welche Rolle spielt Gender in Sicherheitsdiskursen und bei der Legitimation militärischer Konflikte?
- Gender in neuen Peacekeeping- und Peacebuilding-Szenarien
Welche Akteurskonstellationen haben sich in den Peacekeeping- und Peacebuilding-Szenarien herausgebildet und welchen Einfluss hat die Geschlechtsidentität der unterschiedlichen AkteurInnen für die Tätigkeit im Einsatzland? Wie werden die Peacebuildingsszenarien und Gendermainstreaming von der lokalen Bevölkerung wahrgenommen? Welchen Einfluss hat im Rahmen der Konfliktbearbeitung die juristische Verfolgung geschlechtsspezifischer Gewalt für die Gestaltung der Geschlechterverhältnisse in Nachkriegsgesellschaften und für die Bildung von Frauenbündnissen?
Die angeführten Fragestellungen bilden einen thematischen Rahmen, in dem StipendiatInnen eigene Ideen und Ansätze zum Thema entwickeln. Das Kolleg ist interdisziplinär angelegt und beteiligt unterschiedliche Fachrichtungen wie Soziologie, Ethnologie, Politik- und Kulturwissenschaften sowie Friedens- und Konfliktforschung.
Betreuung
PD Dr. Christine Eifler: eifler@artec.uni-bremen.de
Prof. Dr. Ruth Seifert: ruth.seifert@planet-interkom.de
Prof. Dr. Eva Senghaas-Knobloch: am@artec.uni-bremen.de
Dr. Konstanze Plett: plett@uni-bremen.de
Stipendiatinnen
Andrea Hapke, Universität Bremen (Sozialwissenschaften)
Anne Jenichen, Universität Bremen (Politikwissenschaft)
Natalie Mutlak, Universität Bremen (Technischer Umweltschutz)
Michaela Schäuble, Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Ethnologie)
Miriam Schroer, Universität Konstanz (Psychologie)
Claudia Schimmel hat das Kolleg auf eigenen Wunsch vorzeitig verlassen.
Trägereinrichtungen
Studienwerk und Feministisches Institut der Heinrich Böll Stiftung
Rosenthaler Str. 40/41, 10178 Berlin
Tel.: 030 - 28534-400, Fax: 030 - 28534-409
in Kooperation mit dem Zentrum für feministische Studien der Universität Bremen
Aktualisiert: 21.02.2007, mfr