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    Feministisches Glossar



Zentrale Begriffe und Konzepte feministischer Theorie und Praxis

Das folgende Glossar erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte einen ersten Einstieg in die Thematik ermöglichen. Wir bemühen uns außerdem um eine laufende Aktualisierung und Erweiterung.

Kritik an und Anmerkungen zu den von uns gewählten Darstellungen sind willkommen. Wer gerne selbst feministische Definitionen ins Netz bringen möchte, sei auf das offene Web-Lexikon Wikipedia verwiesen. Seit kurzem exisitiert auch ein Frauen-Wiki, das auf MitschreiberInnen und UserInnen wartet: [Frauen-Wiki]


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Essentialismus
Im Kontext des Feminismus ist von Essentialismus in einem weiteren Sinn die Rede. Meist wird damit der Rückgriff auf biologistische Erklärungsmodelle bezeichnet, d.h. Modelle, die Geschlecht und Geschlechterdifferenzen über biologische Differenzen begründen.

Europa / Europäische Union
Mit der Europäischen Union hat auch feministische Politik einen weiteren Handlungsraum erhalten, der gerade deshalb von besonderem Interesse ist, weil Geschlechtergerechtigkeit programmatisch über den Amsterdamer Vertrag und das Konzept von Gender Mainstreaming mit der Europäischen Union verknüpft worden ist. Feministische Politik wird sowohl von einzelnen Frauen innerhalb der politischen Strukturen der EU als auch durch Lobbygruppen etc. verfolgt. [Europa der Frauen]

Europäisches Jahr der Chancengleichheit 2007
Die Europäische Union versucht mit der thematischen Schwerpunktsetzung einzelne Gebiete sowohl innerhalb der politischen Institutionen als auch in der Öffentlichkeit zu stärken und voranzutreiben. Für 2007 liegt der Schwerpunkt auf dem Thema Chancengleichheit. Neben einem Internetportal fördert die Union innerhalb ihrer Programme insbesondere solche Projekte, die sich dieser Fragen annehmen. Auch in Deutschland finden zahlreiche Veranstaltungen in diesem Kontext statt.

Feminismus
Der Begriff bezeichnet aus etymologischer Sicht das Eintreten für die Emanzipation der Frauen. Inhaltlich begründet sich der Feminismus in seiner Kritik an der Nach- bzw. Unterordnung der Frauen unter Männer. Als politisches Anliegen nimmt der Feminismus im Kampf um Frauenrechte seinen Ausgangspunkt. Der Einsatz von Olympe de Gouges während der französischen Revolution ist hierfür ein wichtiger historischer Zeitpunkt. Mit der so genannten neue Frauenbewegung wurde "Feminismus" zunehmend als soziale Bewegung identifiziert. Heute wird meist von Feminismen gesprochen, um sowohl die historische als auch die aktuelle Vielfalt von Strömungen und Ansätzen sichtbar zu machen.

Feministisches Subjekt
Das starke Wir des westlichen Feminismus der neuen Frauenbewegung erwies sich als prekäres Subjekt. Sowohl der afrikanisch-amerikanische Feminismus, verschiedene Ansätze im afrikanischen sowie im lateinamerikanischen Feminismus, aber auch migrantische Positionen im Norden formulierten Kritik an dem universalisierenden Anspruch eines "weißen, mittelständischen Feminismus". Differenzen zwischen Frauen ebenso wie die gesamtgesellschaftliche Tendenz zur Individualisierung erschütterten diese politische Kollektivitäten. In Frage gestellt ist in Folge auch die Fähigkeit zu gemeinsamem politischen Handeln.

Frauenbewegung(en)
Die westliche Frauenbewegung wird in der Regel in zwei bzw. drei Wellen geteilt. Als erste Welle der Frauenbewegung gelten die Bewegungsaktivitäten der FrauenrechtlerInnen bis in die 1920er Jahre. Die zweite Welle wird im Kontext der 1968er Bewegung verortet, werden mit der dritten teilweise die aktuellen Entwicklungen benannt werden. Vielfalt innerhalb der Frauenbewegung war immer feststellbar, wurde aber lange zugunsten einer gemeinsamen Positionierung hintangestellt. Erst die Kritik afroamerikanischer und in Folge auch afrikanischer Feministinnen führte zu einer Auseinandersetzung mit Differenzen zwischen Frauen und damit auch innerhalb der Frauenbewegung(en).

Frauenforschung
setzt sich das Subjekt und Objekt "Frau" zum zentralen Referenzpunkt der wissenschaftlichen Arbeit. Dabei greift die Frauenforschung tendenziell auf ein essentialistisches Konzept von Geschlecht zurück. Die Frauenforschung ist thematisch kein eigener Forschungszweig, vielmehr wird sie in verschiedenen Disziplinen mit unterschiedlichen Methoden verfolgt. Auch bezüglich der Theorie existieren verschiedene Ansätze.

Gender/Geschlecht
Im Deutschen gibt es bisher keine eindeutige Übersetzung dieses englischen Begriffs. Zum Teil wird er mit "Geschlechterverhältnisse" oder "soziales Geschlecht" übersetzt, in der Regel wird der englische Begriff übernommen. "Gender" verweist auf die Einsicht, dass Geschlecht, und damit auch Männlichkeiten und Weiblichkeiten historisch und kontextuell bedingt sind. Ihre Geschichtlichkeit zeigt außerdem die Möglichkeit der Veränderbarkeit auf. 

Gender Mainstreaming
Ansatz in der Gleichstellungspolitik. Instrument für eine Durchsetzung von Gleichstellung von oben (Top-down-Ansatz). Gender soll in allen Bereichen mitgedacht werden, nicht nur als sektorales Anliegen verfolgt werden (z.B. durch spezielle Gender-Beauftragte). Das Konzept wurde in entwicklungspolitischen Zusammenhängen entwickelt und auf der 5. Weltfrauenkonferenz in Beijing 1995 in den Aktionsplan aufgenommen. Die Europäische Union hat Gender Mainstreaming im Amsterdamer Vertrag (1997) als strukturierendes Prinzip angenommen. Als Instrument feministischer Politik ist Gender Mainstreaming als Ergänzung zu Frauenförderung (positive Diskriminierung) gedacht. Deshalb sprechen Feministinnen in diesem Zusammenhang auch von einer Doppelstrategie. Zur Kontroverse siehe auch [Feministische Politik]

Gewalt
Gewalt gegen Frauen war eines der zentralen Themen der zweiten Frauenbewegung. An Aktualität verloren hat das Thema auch heute nichts: Frauenhandel, Prostitution, Zwangsverheiratung, häusliche Gewalt und Female Genital Cutting stehen auf der Agenda von Frauenorganisationen und entsprechenden Kampagnen. Sexistische Gewalt ist nicht zuletzt im Kontext von gewaltsamen Konflikten ein sensibles Thema. Mehr dazu unter [Sexistische Gewalt]

Grundeinkommen / Grundsicherung
Aus feministischer Perspektive sind Ansätze zur sozialen Sicherung immer an die Forderung von individueller Anspruchsberechtigung geknüpft (Stichwort: eigenständige Existenzsicherung). Die Bewertung von Grundeinkommen und Grundsicherung gehen darüber hinaus aber weit auseinander. Kritisiert wird an vielen Konzepten, dass sie strukturelle Ursachen von Geschlechterungleichheit nicht angehen, zum Teil sogar traditionelle Arbeits- und Rollenteilung befördern.

Intersektionalität
Die gesellschaftliche Position und soziale Identität von Individuen wird nicht nur über die ihnen zugeschriebene Geschlechtszugehörigkeit definiert. Vielmehr machen TheoretikerInnen mit dem Konzept der Intersektionalität auf die Verwobenheit unterschiedlicher Herrschaftsdimensionen und Strukturkategorien aufmerksam: Neben der Kategorie Geschlecht sind außerdem ethnische Zugehörigkeit, Klasse, sexuelle Orientierung, Krankheit/Behinderung, geopolitische Positionierung, Religion etc. mitzudenken und konzeptionell einzubinden.

Konstruktivismus/Konstruktion
Das Verhältnis von Kultur und Natur in Bezug auf Geschlecht wird in konstruktivistisch feministischen Ansätzen neu reflektiert. Mit Konstruktivismus werden grundsätzlich verschiedene erkenntnistheoretische Positionen benannt. Auch im Feminismus finden sich verschiedene, zum Teil auch unvereinbare, konstruktivistische Ansätze.

Patriarchat
Jene gesellschaftliche Organisationsform, die den Mann/Vater an die Spitze stellt. Dabei zielt der Begriff auf Strukturen ab, eine patriarchale Gesellschaft ist also eine, in der Politik, Recht, Wissenschaft, Religion, Ökonomie, Erziehung, symbolische Ordnung, Sexualität und Gewalt so zusammenwirken, dass die Unterdrückung bzw. Diskriminierung von Frauen kontinuierlich reproduziert und abgesichert wird. Feministische Kritik, insbesondere seit den 1960er und 70er Jahren formuliert sich als umfassende Herrschaftskritik.

Sicherheit
Feministische Ansätze kritisieren sowohl den im Mainstream gebräuchlichen, engen Sicherheitsbegriff als auch daraus abgeleitete Konzepte von Sicherheit. Sie plädieren hingegen für das Konzept von Human Security, das von den Sicherheitsbedürfnissen des Individuums ausgeht. Zudem wird eine geschlechterdifferenzierende Sicht eingemahnt. Feministische Sicherheitspolitik ist immer mit Friedenspolitik verwoben.

Ungleichheit
Zentraler Ansatzpunkt feministischer Gesellschaftskritik ist die Feststellung von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Dazu zählen ökonomische, soziale als auch symbolische Aspekte. Fortgeschrieben wird Ungleichheit im Kontext von patriachalen Strukturen und Machtverhältnissen. Zahlen dazu liefert der Gender Equity Index Report, veröffentlicht von Socialwatch.
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Aktualisiert: 16.03.2007, mfr