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    Feministische Politik



Zwischen Herrschaftskritik und strategischem Denken

Wissensbausteine      |

Feministische Politik
 Im Blick der Politikwissenschaft
Anne Philipps lehrt an der London School of Economics. Lesen Sie hier einen Artikel der Politikwissenschaftlerin zur Zukunft feministischer Politik: [Volltext]
Die deutsche Politologin Barbara Holland-Kunz analysiert in der Zeit das Stocken der feministischen Bewegung. [
Interview
Birgit Sauers Artikel "gender makes the world go around" zu Globalisierung und Geschlecht ist nachzulesen unter [AG Gender-Killer]

 | Frauenbewegung(en)
Die Frauenbewegungen werden aus europäischer Perspektive traditionell in drei Wellen eingeteilt. Mehr dazu erfahren Sie unter [Wikipedia]
Expertise bietet dazu auch das [
Archiv der Deutschen Frauenbewegung]
Frauenbewegungen im Süden [
Literaturliste zu Frauenbewegungen des Südens]

Feministische Politikfelder
Feministische Politik in Europa [Europa der Frauen]
Friedens- und Sicherheitspolitik [Frieden & Sicherheit]
Vereinte Nationen und Millenium Development Goals [UN & MDGs]
Themen in der internationalen Diskussion [Femme Globale]

Über die eigene Geschichte ist das Feministische Institut mit vielen Etappen und auch Herausforderungen des Feminismus und der Feminismen eng verzahnt. Über die eigene Positionierung hinaus soll hier ein Einstieg in das Feld feministischer Politik gegeben werden.

 WER Zum feministische Subjekt
 WO Handlungsebenen feministischer Politik
 WOZU Zur Aktualität der Feminismen
 WIE Feministische Politik, Geschlechterpolitik und Gender Mainstreaming



Zur Geschichte des Feministischen Instituts unter
[Geschichte des FI]

Zu aktuellen Entwicklungen in Sachen Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Heinrich Böll Stiftung unter [In eigener Sache]

Eine Übersicht von Texten und Materialien auf GLOW haben wir für Sie im Archiv zusammengestellt. [Archiv]

 

 


 Feministinnen? Zum WER feministischer Politik

Feminism is about change. - Feminismus bedeutet Veränderung. (Anne Philipps)

Feministische Politik charakterisiert sich über diesen Veränderungsanspruch. Gesellschaft soll entlang feministischer Gesellschaftskritik transformiert werden. Feministische Politik richtet sich gegen patriachale Strukturen des Sozialen, Ökonomischen, Politischen. Sie versteht sich insofern als radikal, als sie Ungleichheit in ihren Wurzeln angreift. Will frau konkret die Ziele aktueller feministischer Politik erfassen, sieht sie sich einer Vielzahl an unterschiedlichen Zielen gegenüber. Dies entspricht der Diversität unter Feministinnen in ihren theoretischen Ansätzen und politischen Interessen. Gleichzeitig wirft diese Vielfalt auch die Frage nach politischer Handlungsfähigkeit auf.

Solidarität ist die Fähigkeit einer Gruppe zusammen zu handeln für das geteilte oder gemeinsame Ziel, ein System der Unterdrückung umzustürzen. (Hannah Arendt)

Solidarität über geteilte Zielsetzungen hergestellt zu denken eröffnet feministischer Politik neue Möglichkeiten. Die schwierige Frage einer gemeinsamen Identität als Grundlage für Solidarität und damit für kollektives Handeln kann so umgangen werden. Differenzen zwischen Feministinnen erhalten einen Platz, ohne dass damit das feministische Subjekt an sich verloren ginge. Die Herausforderung liegt im Aushalten der Differenzen und im Entwurf gemeinsamer Ziele.

If we review the constant attempt by Western feminists to run African women's lives in conferences without hearing or heeding what we have to say, the other side of our burden besomes clear - Western women are as much of a problem to us as black men, yet it might be worthwhile to work or walk with them, at least some of the way. (Chkwanye Okonja Ogunyemi)

In diesem Zitat von Ogunyemi, zentrale Theoretikerin und Aktivistin des African Womanism, wird deutlich, dass Differenzen zwischen Frauen nicht nur auszuhalten sind, sie sind vor allem auch herrschaftskritisch zu reflektieren. Individuen sind mehrfach in soziale Zusammenhänge eingebunden, neben Geschlecht strukturieren auch Kategorien wie Klasse, ethnische Zugehörigkeit, Sprache, globale Positionierung, Religion, Krankheit etc. die soziale Identität und gesellschaftliche Positionierung. Im Wissen um diese Verschränkungen feministische Politik zu machen, erfordert auch für temporäre, zielorientierte Bündnisse ein hohes Maß an Reflexivität und selbstkritischer Sensibilität. 

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 Handlungsebenen feministischer Politik

Feministische Politik lässt sich auf verschiedenen Ebenen lokalisieren. Diesen entsprechend gibt es unterschiedliche Instrumente und Inhalte.

Bewegungsebene
Feministische Politik braucht den Denk- und Handlungsraum von unten. Die Bewegungs-orientierung ist verknüpft mit dem Anspruch auf Autonomie und Kritikfähigkeit. Die grassroot-Ebene gibt institutionalisierter Politik, ob feministisch oder malestream, wichtige Impulse und bindet sowohl Theorie als auch Politik an Alltagsfragen und -notwendigkeiten zurück. 
Auf dieser Handlungsebene finden sich feministischen Initiativen, lose Gruppen und Einzelengagierten, Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) stellen teilweise die Schnittstelle zu verschiedenen Formen institutionalisierter Politik dar.

Geschichte der Frauenbewegung in Europa

Women's Rights Movement in den USA

Artikel zu Feminismus und Frauenbewegung in Afrika

Stand der Literatur 2006 zu Frauenbewegungen international (pdf)

Feministische Dialoge am Weltsozialforum

Globale Netze

Netzwerke in Afrika

Netzwerke in Asien

Netzwerke in Europa

Netzwerke in Nord- und Lateinamerika

Netzwerke im "Nahen Osten"

Nicht-Regierungsorganisationen
NGOs sind nicht gewinnorientierte, nicht staatlich organisierte, aber dennoch in unterschiedlichem Grad institutionalisierte Formen von auf ein bestimmtes Ziel hin orientierten Gruppen. Feministische oder Frauen-NGOs betreiben beispielsweise Lobbyarbeit bei verschiedenen politischen Institutionen. Sie richten ihre politische Arbeit gleichzeitig auch auf die Aktivistinnen aus. Damit nehmen sie häufig eine Art Scharnierfunktion zwischen Bewegungsebene und institutionalisierter Politik ein.

Politische Parteien und Institutionen
Auch im formalen politischen System sind Feministinnen aktiv. Ihr Handlungsspielraum ist allerdings durch die Trägheit von Institutionen maßgeblich eingeschränkt. Konkrete Beispiele zeigen aber, dass das Engagement auf dieser Ebene für feministische Politik ein wichtiges Element darstellt. Frauenförderung und Gender Mainstreaming gelten als die beiden zentralen Strategien feministischer Politik auf institutioneller Ebene.

 

Europa der Frauen

Frauenpolitik

Feministische Partei in Deutschland

 

Feministische Studien in Deutschland

Feministische Studien in Europa

Feministische Studien in Nordamerika

Feministische Studien weltweit

Feministische Wissenschaft
Das Verhältnis von feministischer Theorie und Praxis stellt eine besondere Herausforderung dar. Grundsätzlich wird insbesondere von Aktivistinnen der Anspruch enger Verbindung formuliert. Gerade bezüglich neuerer theoretischer Entwicklungen bleibt dieser Anspruch aber häufig auf halbem Weg stecken und damit uneingelöst.

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 Zur Aktualität feministischer Politik

Ein gut besuchtes 24. Green Ladies' Lunch beschäftigte sich am 20. Oktober 2006 mit der Frage "Feminismus heute - Schnee von gestern oder aktueller denn je?". Drei Referentinnen aus Wissenschaft und Politik sowie rund 40 Ladies aus dem grünen und grün-nahem Umfeld diskutierten Herausforderungen, Aufgaben und gesellschaftlichen Stand des Feminismus. Mehr zur Veranstaltungsreihe [Ladies' Lunch]
Mechtild Jansen, freie Autorin und Publizistin aus Berlin, setzte sich mit der aktuellen gesellschaftlichen Debatte und dem bemerkbaren Roll-Back in feministischen Anliegen auseinander. Eine der großen Herausforderungen liege in Entleerung des Konzeptes "Feminismus". Sie führt dies einerseits auf gezielte politische Strategien, andererseits aber auch auf eine innerhalb der Frauenbewegung und unter Feministinnen bemerkbar Orientierungs- und Inhaltslosigkeit zurück.
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Huguette Dagnais, Professorin für Anthropologie in Quebéc/ Kanada, appellierte an die Feministinnen ihre erkämpften Erfolge nicht gering zu schätzen. Die Situation junger Frauen wäre heute grundlegend anders als vor vierzig Jahren. Viel Erlangtes sei heute Selbstverständlichkeit, die Institutionalisierung feministischer Forderungen eine wichtige Errungenschaft. Feministinnen von heute schlägt sie "Gerechtigkeit" als neue Strategie vor: In der Diskussion mit jungen Frauen und auch in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft als Ganzer sieht sie hier neue Mobibilisierungs- und Politisierungsmöglichkeiten.

Katja Husen, (noch) frauenpolitische Sprecherin des Bundesvorstands Bündnis 90/Die Grünen, diskutierte das Gewicht feministischer Positionen innerhalb der deutschen Politik. Veränderungsresistenz im Allgemeinen sowie schwache Netzwerkstrukturen zwischen Frauen sieht sie als zentrale Hindernisse des heutigen Feminismus an. Gleichzeitig kritisierte sie die spezifisch deutsche Fixierung auf  Diskussionen zu Vereinbarkeit von Beruf und Kindern für Frauen. Seit Jahren hänge die feministische Debatte in Deutschland an dieser Frage, ohne substantielle Fortschritte zu machen.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Vielfalt feministischer Positionen und Strategien deutlich und auch betont. Nicht von Feminismus können heute die Rede sein, vielmehr handle es sich um Feminismen im Plural. Kontroverse Einschätzungen gab es außerdem zum Thema "Gender Mainstreaming". Einig waren sich die anwesenden Frauen jedenfalls darin, dass es aus feministischer Perspektive noch viel zu tun gibt. Schnee von gestern sind feministische Positionen jedenfalls nicht.

Feminismus heute - die Frage danach stellt sich nicht nur das Feministische Institut im Rahmen seiner Veranstaltungen. Ein aufmerksamer Blick in die Medien zeigt, dass das Thema wieder mehr Interesse und Aufmerksamkeit auf sich zieht. So wurde in der Zeit im August 2006 von 15 Frauen aller Altersstufen die Notwendigkeit feministischen Engagements diskutiert. [Die Zeit]

 

 Feministische Politik, Geschlechterpolitik und/oder Gender Mainstreaming?

Das Verhältnis von feministischer Politik und Gender Mainstreaming wurde in einem Werkstattgespräch, initiert vom Feministischen Institut, im Rahmen der Konferenz "Nichts Neues im Westen ? Aber im Osten? Geschlechterpolitiken in der neuen alten EU" diskutiert. Teilgenommen haben Feministinnen unterschiedlicher Generationen, Arbeitsfelder und geographisch-kultureller Hintergründe.

Gender Mainstreaming wurde in der Diskussion als Strategie definiert. Ihren Ursprung in der Geschichte der Frauenbewegung aufrufend, wird auf die Zentralität der feministischen Stoßrichtung verwiesen. Ohne diesen Impetus, der ständig lebendig gehalten werden muss, besteht die Gefahr, dass diese Strategie sinnentleert ihre politische Kraft verliert. Mit diesem Impetus kann Gender Mainstreaming als Türöffner für feministische Politik fungieren. So ergeben sich über Gender Mainstreaming sehr wohl transformatorische Potenziale (entgegen der aktuell zum Teil als zahnlos wahrgenommenen Praxis). Begriff und Praxis von GM sollen wieder stärker feministisch besetzt werden.

Gegenwind für Gender Mainstreaming
Dieser weht der ja durchaus auch von Feministinnen kritisch betrachteten Strategie des Gender Mainstreaming zurzeit aus einigen deutschen Medien entgegen. FAZ und Spiegel-Autoren sehen Gesellschaft und Männlichkeit in Gefahr und polemisieren aufs heftigste gegen das angebliche "Umerziehungsprogramm".

Im Folgenden eine auszugsweise Dokumentation von kritischen Stimmen in dieser Debatte:

Simon Möller, Operation gelungen, 21.03.2007 [freitag]
Cosima Schmitt, Von der Leyen propagiert einen "konservativen Feminismus". Wozu?, 20.03.2007 [taz]
Susanne Baer im Interview mit Heide Oestreich, Wir nehmen den Jungs nicht die Autos weg! 22.02.2007 [taz]
Heide Oestreich, Neues von der Front, 13.01.2007 [taz]
Heide Oestreich, Vorsicht vor kastrierenden Lesben, 10.01.2007 [taz]

Feminismus versus Gender? Artikelsammlung in der schweizer Wochenzeitung [WOZ-Dossier]

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Aktualisiert: 02.04.2007, meb