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Grundeinkommen - Grundsicherung: Wege zur Emanzipation? |
Eine feministische Intervention in eine gesellschaftspolitische Debatte
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Wissensbausteine | | | | | |
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| Grundeinkommen VerfechterInnen des bedingungslosen Grundeinkommens wollen Arbeit und Einkommen entkoppeln. JedeR erhält einen monatlichen Grundbetrag, der existenzsicherend und voraussetzungslos ist. Die Stoßrichtungen dieses Ansatzes sind kontextabhängig und reichen von Armutsbekämpfung bis zu Gesellschaftsveränderung. |
| Grundsicherung Bedarfsorientierte Grundsicherung basiert auf der Fortschreibung des aktuellen Sozialstaatsmodells. Die erwerbszentrierte soziale Absicherung bleibt bestehen, die Grundsicherung soll den Ausnahmefall der Erwerbslosigkeit abdecken und wird an eine Liste von Bedingungen geknüpft. |
| Eigenständige Existenzsicherung Während das deutsche sozialstaatliche Modell auf der Annahme eines männlichen Familienernäherers aufbaut, verweisen Feministinnen schon lange auf die Notwendigkeit individueller Anspruchsrechte auf Sozialleistungen. Damit soll die ökonomische Voraussetzung für umfassende Emanzipation geschaffen werden. |
Feministische Perspektiven auf Ökonomie und soziale Sicherung
sind mit der Forderung nach eigenständiger Existenzsicherung von Frauen sowie mit der kritischen Diskussion des vorherrschenden Arbeitsbegriffs verbunden.
Die Forderung nach eigenständiger Existenzsicherung richtet sich gegen das in Europa, insbesondere in Deutschland und Österreich etablierte Sozialstaatsmodell. Verschiedenste Formen sozialer Sicherung (Rentenmodelle, Krankenversicherungen, Tarifverträge etc.) schreiben die Geschlechterungleichheit in ökonomischer Hinsicht fort, indem sie nicht allen (Wohn-)BürgerInnen mit ihren Sicherungssystemen ein eigenständiges Einkommen sichern.
Geschlechterdifferenziert
betrachtet zeigt sich, dass sich das Modell des modernen Wohlfahrtsstaates auf einen männlichen Familienernährer und Haushaltsvorstand konzentriert. Kritisch reflektiert werden müssen aus feministischer Perspektive außerdem der kapitalistische und noch mehr der neoliberale Arbeitsbegriff. Dabei wird grundlegend auf die Unterscheidung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit zurückgegriffen. Diese beiden Formen der Arbeit finden sich in ein hierarchisches Verhältnis gesetzt. Die geschlechtsspezifische Strukturiertheit des Feldes und seine Bedeutung für die Reproduktion der Geschlechterverhältnisse machen es zu einem immer noch aktuellen Angelpunkt feministischer Politik.
Zu diskutierende Stichworte sind diesbezüglich die Frage der Vollbeschäftigung, der Stellenwert gesellschaftlich notwendiger, aber unbezahlter Arbeit, insbesondere von Care-Arbeit, die Verteilung von Arbeit und Einkommen etc.
Das bedingungslose Grundeinkommen und die bedarfsorientierte Grundsicherung – beide werden in dieser Debatte von unterschiedlichen Seiten als Lösungsansätze forciert. Dageben ist eigenständige Existenzsicherung ist nicht als alternatives Modell ausgestaltet, vielmehr ist es eine Forderung, die als Anspruch an und Maßstab für andere Konzepte, wie beispielsweise Grundeinkommen oder Grundsicherung, formuliert wird.
Wege zur Emanzipation? 
Das 25. Green Ladies' Lunch hat sich mit diesen Fragen aus feministischer und aus grüner Sicht auseinandergesetzt. Die Beiträge der Referentinnen, die Diskussion (in Bälde) sowie weitere Materialien zum Thema finden Sie im Folgenden dokumentiert.
Die Veranstaltung fand am 23. März 2007 in der Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Insgesamt nahmen 70 grüne und grün-nahe Frauen an der regen Debatte teil. Impulsreferate hielten Astrid Rothe-Beinlich, Gabriele Michalitsch und Paula Riester. Moderiert wurde die Diskussion von Gitti Hentschel, Feministisches Institut.
Leitfragen für die Diskussion waren:
- Welches Konzept, welcher Zugang fördert die Emanzipation in der Gesellschaft, welcher fördert Geschlechteremanzipation?
- Was fördert damit auch die eigenständige Existenzsicherung, die aus feministischer Perspektive als Grundbedingung ökonomischer Reformen gedacht wird?
- Unter welchen Umständen und Bedingungen sind die in der Diskussion befindlichen Modelle von Grundsicherung und Grundeinkommen emanzipatorisch und gesellschaftstransformatorisch relevant?

Gabriele Michalitsch
Politikwissenschaftlerin und Ökonomin, Wirtschaftsuniversität Wien [Zur Person]
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Power Point Präsentation >> Download

Astrid Rothe-Beinlich
Frauenpolitische Sprecherin des Bundesvorstandes Bündnis 90/Die Grünen [Zur Person]
Anforderungen an Eigenständige Existenzsicherung aus frauenpolitischer Perspektive
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Paula Riester
Sprecherin der Grünen Jugend [Zur Person]
Grundeinkommen vs. Grundsicherung - Die Position der Grünen Jugend
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Weitere Texte
Some thoughts on basic income from a feminist perspective Beitrag von Ingrid Robeyns, präsentiert beim Workshop in der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin, 5. Juli 2007
Grundeinkommen: Emanzipation oder Legitimation? Text von Gabriele Michalitsch, September 2006 in der Zeitschrift des Österreichischen Kulturrates
Ein Grundeinkommen ist nicht bedingungslos sozial Sozialpolitisches Positionspapier von Bündnis 90/ Die Grünen
Dossier Grundsicherung Artikelsammlung zum Download, Heinrich-Böll-Stiftung
Die Zukunft sozialer Sicherheit Band 2 der Schriftenreihe "Wirtschaft & Soziales" der Heinrich-Böll-Stiftung, 2007
Feministische Gedanken zum Grundeinkommen Vortrag von Antje Schrupp bei ATTAC, 2006
Veranstaltungen
Ringvorlesung zu Feministischer Ökonomie
Veranstalterinnen: Prof. Dr. Christine Bauhardt und Dipl. Pol. Gülay Caglar, Humboldt Universität zu Berlin Zeit: Mittwochs 16-18 Uhr, c.t. (siehe Programm) Ort der Veranstaltung: Kommode, Bebelplatz 1, Raum 140/142
25.04.07 Prof. Friederike Maier (FHW Berlin): Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung: ein Ergebnis ökonomischer Rationalität?
16.05.07 Prof. Diane Elson (University of Essex): Macroeconmic policies and employment generation: gender dimensions
23.05.07 Prof. Miriam Beblo (FHW Berlin): Formen der Familienbesteuerung aus der geschlechterbewussten Perspektive
30.05.07 Dr. Naila Kabeer (IDS, University of Sussex): Revisiting 'co-operative conflict': bargaining around women's work
20.06.07 Dr. Shahra Razavi (UNRISD): Gender, social policy and care
27.06.07 Dr. Gabriele Michalitsch (Wirtschaftsuniversität Wien): Privatisiert. Geschlechterimplikationen neoliberaler Transformation
04.07.07 Prof. Dr. Ingrid Robeyns (Radboud Universiteit Nijmegen): Revisiting basic income from a feminist perspective
11.07.07 Prof. Irene van Staveren (Institute for Social Studies, Den Haag): The feminist economics of trade |
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Aktualisiert: 26.05.2008, meb