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Service » Archiv | Archive » Themen im Archiv | Topics » (A) Frieden » Human Security
   
    Internationale Fachtagung am 24./25. Oktober 2003



"Human Security = Women's Security? Keine nachhaltige Sicherheit ohne Geschlechterperspektive"

Veranstalterinnen: Feministisches Institut in Kooperation mit Friedrich-Ebert-Stiftung und Frauensicherheitsrat 
Ort: Berlin

Weltweit wurden 2002 mehr als 40 bewaffnete Konflikte ausgetragen. Die wenigsten waren „traditionelle“ Kriege, also militärische Konflikte zwischen souveränen Staaten. Vorwiegend handelte es sich um regionale Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Macht- und Interessengruppen. WissenschaftlerInnen thematisieren daher seit längerem die Notwendigkeit eines neuen Sicherheitsverständnisses, das dieser Entwicklung gerecht wird. Insbesondere feministische Expertinnen fordern ein Verständnis von Sicherheit, das nicht nur auf der Abwesenheit von militärischen Auseinandersetzungen gründet, sondern auch auf umfassender sozialer Gerechtigkeit sowie der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern. (Harders 2002)

Auf der Fachtagung wurden zwei Ansätze eines neuen Sicherheitsdiskurses zusammengebracht, die sich seit Mitte der 90er Jahre herausgebildet haben: der erweiterte Begriff politisch-militärischer Sicherheit, wie er in der bundesdeutschen Außenpolitik / NATO verwendet wird, und das Konzept menschlicher Sicherheit (Human Security), das in diesem Jahr im Abschlussbericht der Commission on Human Security ausgeführt wurde. In beiden Konzepten spielen wirtschaftliche wie politische Entwicklungsperspektiven eine zentrale Rolle. Das erweiterte Sicherheitskonzept richtet sich dabei auf "globale Sicherheitsprobleme", die eine Bedrohung für die Stabilität der westlichen Staatenwelt darstellen könnten, und bezieht Entwicklungspolitik als eine Strategie zur Konfliktprävention ein. Das Human Security-Konzept ist umfassender. Es beinhaltet auch individuelle Sicherheit als Grundlage für selbstbestimmtes und sozial verantwortliches Handeln und bezieht unterschiedliche kulturelle Gesellschaftskonstruktionen ein, wodurch ein eurozentristischer Blickwinkel vermieden wird. (Yuval-Davis 2003)

Die möglichen und unterschiedlichen Lesarten von Sicherheit und der vorliegenden Konzepte wurden gemeinsam mit WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen aus friedens- und entwicklungspolitischen Arbeitsbereichen aus feministischer Perspektive diskutiert und auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Hinterfragt wurde auch, inwieweit die in den politischen Diskurs neu eingebrachten Sicherheitsbegriffe die Gefahr beinhalten, codifiziertes, internationales Menschenrecht zu unterminieren und für partikulare Machtinteressen benutzt zu werden. Berücksichtigt wurde zudem der entwicklungspolitische Wissenschaftsdiskurs, in dem das Konzept der Human Security mit seinen Implikationen von sozialer Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung problematisiert und das Human Development-Konzept befürwortet wird, weil das Human Security-Konzept zur begrifflichen Unschärfe führe. (von Braunmühl 2003)

Ziel der Tagung war, ein Modell menschlicher Sicherheit weiterzuentwickeln, das sich an seiner sozialen und politische Relevanz orientiert, normativen, feministischen Vorstellungen gerecht wird und gleichzeitig ein wirksames Instrument der Politik darstellen kann.

Eine Dokumentation der Tagungsbeiträge finden Sie unter [Publikationen].

Die Tagung war Teil des neuen außen- und sicherheitspolitischen Schwerpunkts der Heinrich-Böll-Stiftung und wurde u.a. mit der Außenpolitischen Jahrestagung der Heinrich-Böll-Stiftung am 12./ 13. November 2003 fortgesetzt; Thema: „Nach dem 9.11.89 und dem 11.9.01: Europas Sicherheitsstrategie“.

 


Aktualisiert: 13.02.2005