Startseite   Feministisches Institut   Themen und Projekte   Service
Service
  Netzwerke   Forum      
                           
 
Service » Archiv | Archive » Themen im Archiv | Topics » (A) Frieden » UN-Sicherheitsrat » Scheub
   
    Ute Scheub |  Workshop am 17. Januar 2003



"Die Bundesrepublik im UN-Sicherheitsrat. Feministische und genderpolitische Forderungen an die Rolle und Politik der Bundesregierung"

"Wider die Doppelmoral"
Kommentar zu den Thesen von Martina Reuter
von Ute Scheub, Frauenaktion Scheherazade
>>  PDF zum Download


Ute Scheub ist mit vielem, was Martina Reuter vorgetragen hat, einverstanden. Deutschland sollte sich bei den Friends of Resolution 1325 beteiligen und die von ihr vorgetragene Forderungsliste unterstützen.

Dennoch einige kritische Anmerkungen dazu:

  1. Bitte um Erläuterung, warum Resolution 1325 völkerrechtlich nicht bindend sein soll. Es gibt m.E. kein Zweiklassenrecht bei Resolutionen, Gegenteiliges konnte ich weder in der UN-Charta noch in der Geschäftsordnung des Sicherheitsrates fin-den. Deshalb ja auch die alljährliche Auswertungsprozedur von 1325, die rund um den 31. Oktober stattfindet.
  2. Am Ende der Auswertungssitzung 2002 gab es ein Presidential Statement, wonach zukünftig ALLE Friedensmission eine „gender perspective“ haben sollen. Damit sind AUF DEM PAPIER viele der von Martina Reuter aufgezählten Forderungen er-füllt. Was davon wirklich realisiert wird, hängt vor allem von den Mitgliedsstaaten und ihren Frauenorganisationen ab.
  3. Sich auf Gender zu konzentrieren und das MAINSTREAMING zu vergessen, ist ge-fährlich. Am Ende ist das Ergebnis all unserer Anstregungen eine Genderberaterin in Timbuktu, und der Mainstream=Malestream läuft ungehindert Richtung Krieg gegen den Irak oder andere „Schurkenstaaten“. 
  4. Für die meisten Männer in Wissenschaft, Kultur, Politik und eben auch im Sicher-heitsrat ist Gender ein Synonym für Frauen und somit ein zweitrangiges Problem. Um aufmüpfige Frauen zu befrieden, lässt mann ihnen die Spielecke „Gender“. Es kostet nicht viel, Lippenbekenntnisse wie die Resolution 1325 abzugeben. Ich ha-be die letzte Sitzung des Sicherheitsrats zu diesem Thema per Internet mitgehört: eine schier unerträgliche Aneinanderreihung von Heucheleien und Scheinheilig-keiten. An welchem Friedenstisch waren die Frauen denn seit Verabschiedung von 1325 vertreten? Für die afghanischen Frauen hat die UNO auf dem Petersberg gar nichts und Fischer wenig getan. Einzig Wieczorek-Zeul zog im Hintergrund wirk-sam Fäden für die Einbeziehung der Frauen.

Aktualisiert: 13.02.2005