| |
Presseecho auf die Konferenz vom 16./17. November 2001 |
"feminist_spaces. Frauen im Netz: Diskurse, Communities, Visionen"
am 16./17. November 2001 im Ernst-Reuter-Haus Berlin
- womanticker vom 28.03.2003:
„Gelesen: feminist_spaces - Frauen im Netz“ "Auf der zweitägigen internationalen Konferenz feminist_spaces - Diskurse, Communities, Visionen im November 2001 wurden in großen und kleinen Gruppen die geschlechtsspezifische Prozesse der Internetwelt erörtert. Jetzt haben die Autorinnen der Vorträge dieser Tagung sich in dem Band "feminist_spaces - frauen im netz" verewigt..."
- taz vom 22.11.2001:
"Im freien Raum der Geschlechter" von Niklaus Hablützel "Frauen erobern das globale Internet für ihre Interessen und fragen sich dabei, wer sie selbst sind: In Berlin versuchte ein Kongress der Heinrich-Böll-Stiftung, herauszufinden, ob und wie das Internet für feministische Politik genutzt werden kann..."
- www.politik-digital.de vom 15.11.2001:
Interview mit Mercy Wambui von Ines Robbers Neue Technologien bieten Lösungen für unsere momentanen Entwicklungsprobleme...
"Aufbruch im Netz" von Torsten Arndt "Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden, lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace zu erobern..."
- www.womanticker.de vom 19.11.2001:
"Über das Netz. Weibliche und feministische Räume" von Birgit Poppke "Die Konferenz "feminist_spaces" nimmt einen dreißigjährigen Faden wieder auf und bezieht natürlich auch die Globalisierung mit ein. Virtuelle feministische Räume und die Netzwerkgesellschaft, sind sie eine reelle Chance für eine reale Frau?..."
- taz vom 20.11.2001:
Manuel Castells "Die Netzwerkgesellschaft" von Robert Misik "Geist des Informationalismus. Die Weltwirtschaft wird dank Internet zur globalen Wirtschaft. Eine brillante Synthese der Veränderungen bietet Manuel Castells im ersten Band seiner Trilogie Die Netzwerkgesellschaft..."
„Gelesen: feminist_spaces - Frauen im Netz“ Aus womanticker vom 28.03.2003
"Auf der zweitägigen internationalen Konferenz feminist_spaces - Diskurse, Communities, Visionen im November 2001 wurden in großen und kleinen Gruppen die geschlechtsspezifische Prozesse der Internetwelt erörtert. Jetzt haben die Autorinnen der Vorträge dieser Tagung sich in dem Band "feminist_spaces - frauen im netz" verewigt.
Die Heinrich-Böll Stiftung und das Feministische Institut, die Veranstalterinnen der Tagung im November 2001, haben diese Zusammenfassung der wichtigsten Tagungsvorträge herausgegeben. Besonders interessant für deutsche Leser/innen sind hier sicherlich die Beiträge der internationalen Referentinnen: So finde ich Gillian Youngs Beitrag über geschlechtsspezifische Perspektiven der "Globalisierung und neue Kommunikationstechnologien", oder den Beitrag der Australierin Wendy Harcourt über politische Frauenorganisationen: "Neue Kulturen im Cyberspace schaffen".
Das jüngst erschienene Buch möchte wichtige gesellschaftspolitische Fragen beantworten: Welche Möglichkeiten und Räume für Frauen bietet das Internet? Wie und von wem werden diese neuen Räume genutzt? Welche neuen sozialen und politischen Gefahren bringt das mit sich? Das Buch hat den Anspruch, den internationalen Stand der feministischen Geschlechter-Forschung sowie der frauenpolitischen Praxis im Bereich Internetkommunikation wider zu spiegeln."
<< zurück
taz – die tageszeitung vom 22.11.2001 „Im freien Raum der Geschlechter“ Frauen erobern das globale Internet für ihre Interessen und fragen sich dabei, wer sie selbst sind: In Berlin versuchte ein Kongress der Heinrich-Böll-Stiftung, herauszufinden, ob und wie das Internet für feministische Politik genutzt werden kann von Niklaus Hablützel
Die Heinrich-Böll-Stifung steht den Grünen nahe und hatte deshalb am vergangenen Wochenende ein Problem. Keine einzige Sprecherin dieser Partei ließ sich auf das Podium der Konferenz bewegen, die dem Thema "feminist_spaces" gewidmet war. Die Furcht vor peinlichen Fragen nach der Rolle der grünen Fraktion im Regierungslager war zu groß, und damit war die Chance vertan, dass ebenjene in der traditionellen Medienöffentlichkeit gut wahrnehmbaren Politikerinnen über ihre tagesaktuelle Aufregung hinaus zur Kenntnis nehmen, was feministische Politik sein könnte. Ganz sicher keine Beschwörung moralischer Grundsätze und humanitärer Hilfe. Es ist kein Zufall, dass die zuverlässigsten und umfassendsten Informationen über die Herrschaft der Taliban wie auch der Kriegsherren der Nordallianz in Afghanistan auf der Website der "Revolutionary Association of the Women of Afghanistan" (RAWA, http://www.rawa.org/) zu finden sind. Die feministischen Räume im Internet sind Freiräume des eigenen Denkens und des Selbstbewusstseins. Die Liste der Organisationen von Frauen, die sich im Web weltweite Plattform geschaffen haben, ist lang. Die australische Feministin Wendy Harcourt, die heute in Rom lebt, gab der Diskussion ein Stichwort vor, an dem sie sich immer wieder festbeißen sollte: Auch diese Beispiele virtueller feministischer Politik sind ein Spiegel jener realen Globalisierung, die ohne dieses Medium gar nicht möglich wäre. Frauen jedoch, so hat Wendy Harcourt erkannt, wollen in ihrem lokalen Umfeld handeln; eher als Männer versuchen sie daher, den virtuellen Raum zurückzubeziehen auf den realen Ort ihres Lebens. Vier Themenfelder sind es, die Feministinnen global im Web besetzen, weil sie lokal davon betroffen sind: der eigene Körper, die eigene Familie, die Umwelt und die jeweils dominierenden sozialen Regeln. Wendy Harcourt möchte den Begriff "glocal" für diesen eigensinnigen weiblichen Zugriff auf das Internet verwenden. Was er genau bedeuten könnte, war in dem einen, mit Diskussionen und Referaten voll gestopften Samstag natürlich nicht hinreichend aufzuklären. Leider war auch dem Schlussvortrag des einzigen männlichen Referenten nichts Erhellendes zu entnehmen. Die Böll-Stiftung hatte Manuel Castells aus Berkeley eingeladen, den Autor eines dreibändigen Werks über die Informationsgesellschaft, dessen erster Teil soeben in Deutsch erschienen ist. Castells, der ohnehin auf Lesereise in Deutschland ist, überraschte die erwartungsvoll lauschenden Teilnehmerinnen mit der These, dass Ende der Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhundert gleich zwei Revolutionen stattfanden: die Revolution der Informationstechnik und eine Revolution des Selbstbewusstseins der Frauen. Virtuelle Personen Offenbar war dem Soziologen entgangen, dass die Frauenbewegung seit über hundert Jahren zumindest das Bewusstsein der westlichen Gesellschaften verändert. Was aber ist von der anderen Revolution zu halten, die tatsächlich in jenen legendären Sechzigerjahren begann? Die Referate und Arbeitsgruppen sprachen nicht für Castells optimistische Meinung, das Pentagon habe damals ein Medium des freien Austauschs von Informationen in Auftrag gegeben. Die Architektur eines Computernetzes, in dem jedes Datenpaket auch eine Information über seinen Adressaten enthält, verringert lediglich das Gefälle zwischen Sendern und Empfängern. Wie die zahllosen Zensurfälle, aber auch krimineller Missbrauch zeigen, ist das Internet deshalb noch lange kein technisch garantierter Ort der Freiheit für Frauen - schon gar nicht, wenn sie das Pech haben, in Afrika zu leben. Mercey Wambui, Mitarbeiterin der United Nations Economic Commission for Africa (Uneca) in Addis Abeba, gab eine mit harten Zahlen untermauerte Schilderung des Ausbleibens jener Revolution, von der man in Berkeley so blauäugig schwärmt. Es gibt keine Revolution des Internets, meint Mercey Wambui und fordert eine weit komplexere Entwicklung aller Kommunikationsmittel für ihren Kontinent. Sie setzt auf eine Kombination lokaler Radiostationen, Telefonzentren, Maildienste, Funkverbindungen und Computerterminals in öffentlichen Gebäuden. An jeder Stelle haben Frauen ihre Forderungen anzumelden, ihre Befreiung jedoch kann offenbar nicht die Folge einer technischen Erfindung sein. Im reichen Westen hat Gillian Youngs, Dozentin an der Universität Leicester, Großbritannien, über die Vermittlung feministischer Inhalte hinaus Beobachtungen gemacht, die sie "philosophisch" nennt. Der virtuelle Raum stellt eine neue Frage nach der Identität, Er ist kein bloßer Raum der Information oder der Selbstorgansition von Interessen, vielmehr hängt die Glaubwürdigkeit jedes Beitrags davon ab, ob die Autorin sagen kann, wer sie selbst ist. Die Antwort kann nun ganz anders ausfallen als in der Realität, und darin könnte eine Chance der Befreiung liegen, vermutet Gillian Youngs. Frauen definieren sich anders, wenn sie als virtuelle Personen auftreten, sie erproben ihre Talente, und erst so gewinnt Wendy Harcourts Begriff des lokalen Handelns im globlen Raum an Schärfe. Frauen nutzen das Web nicht nur, um darin ihre Realität abzubilden, sie entwerfen ein neues Bild von sich selbst. Mag sein, dass dieser zu jeder Emanzipation nötige Prozess des Selbstbewusstseins gerade den Frauen im Internet leichter fällt. Die Programmiererin Amy Bruckman von der Technischen Universität Georgia jedoch warnte vor Vorurteilen auf Seiten der feministischen Forschung. Sie hat Lernspiele programmiert und dabei versucht, den Geschlechterunterschied statistisch zu messen. Es ist ihr nicht so recht gelungen: Die Kurven gleichen sich in fast jedem Fall. Lediglich der Umstand, dass amerikanische Jungen früher einen Computer in die Hand bekommen, verschafft ihnen einen kleinen Startvorteil gegenüber den Mädchen, die das dadurch kompensieren, dass sie schneller zu anwendbaren, praktischen Lösungen kommen als Jungen. Natürlich ist auch Amy Bruckman die männliche Vorherrschaft in der Computerwelt nicht entgangen. Mit einem Spiel nach dem Vorbild des Turing-Tests macht sie sich lustig darüber: Es besteht darin, mit Fragen herauszufinden, welches Geschlecht ein virtueller Gesprächspartner hat. Der Unterschied ist illusorisch, denn die Antworten gibt ein Computer.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der „taz- die tageszeitung“
<< zurück
Interview mit Mercy Wambui "Neue Technologien bieten Lösungen für unsere momentanen Entwicklungsprobleme."
Das Gespräch führte Ines Robbers
- Auszüge aus dem Interview von politik-digital.de vom 15.11.2001 - Das ganze Interview >> PDF zum Download
"Auf der Konferenz ‚feminst_spaces' der Heinrich-Böll-Stiftung hat politik-digital mit Mercy Wambui, Vertreterin der European Commission for Africa (ECA) ein Gespräch geführt. Die ECA berät Regierungen bei der Planung und Umsetzung neuer Informations- und Kommunikationsstrukturen. Frau Wambui spricht über den Entwicklungsstand Afrikas beim Ausbau der eigenen Informationhigways und der Rolle, die die afrikanischen Frauen im Modernisierungsprozess haben."
"politik-digital: Für wie realistisch halten sie die Behauptung, dass Länder der Dritten Welt mit Hilfe des Internet Entwicklungsschritte überspringen könnten? Also das sogenannte Leapfrogging. Mercy Wambui: Wir haben heute einfach nicht die Zeit, alle Phasen der Technologie-Entwicklung zu durchlaufen. Die Informations- und Kommunikationstechnologien bieten tatsächlich die Möglichkeit, einige Stufen zu überspringen. Die Finanzierung von Computern ist im Vergleich zu den Maschinen in der Phase der Industrialisierung viel preiswerter. Wir wollen moderne Computertechnik einsetzen, um so Fortschritt zu erzielen. Der Schlüssel dazu ist die Schaffung politischer Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene, die ermöglichen, neue Technologien schnell einsetzen zu können. Zum Beispiel war es in Kenia lange Zeit illegal, Daten per Telefon zu übertragen oder herunterladen. Nach viel Überzeugungsarbeit haben wir die Regierung 1992 aber dazu bewegen können, das Verbot aufzuheben. Wir haben ihnen gezeigt, wie hilfreich und profitabel es sein kann, sich Dokumente aus dem Netz zu laden, an die man sonst nicht herankommt oder deren Beschaffung zu lange dauert." (...) "politik-digital: Wie steht es um die Teilhabe der Frauen an den Möglichkeiten der neuen Technologien? Mercy Wambui: Es ist eine schreckliche Situation. Es ist ganz anders als in anderen Teilen der Welt - die afrikanischen Frauen sind von vornherein ausgegrenzt, zum Beispiel in der Bildung. Es wird ihnen außerdem vermittelt, dass Technik Männersache sei und sie sich dafür nicht interessieren sollten. Teil meiner Arbeit mit dem Women's Networking Support Programme (APC) bestand darin, zu untersuchen, wie man Frauen mehr einbeziehen kann; wie man ihnen zeigen kann, dass sie, auch ohne ein Computer-Geek oder ein Programmierer zu sein, von den neuen Technologien als normale Endnutzer profitieren können. So gibt es beispielsweise ein Trainingsprogramm extra für Frauen an der Cisco Academy in Äthiopien, gefördert von Cisco und der Weltbank. Den Frauen werden technische Kenntnisse vermittelt, sie werden für Themen und Möglichkeiten der neuen Technologien sensibilisiert und ermutigt, eigene Ideen zu entwickeln und zu verfolgen. Mit ihren neuerworbenen Kenntnissen können sie dann in ihre Heimat zurückkehren und dort entweder für einen Internet-Anbieter arbeiten oder selbst ein eBusiness gründen. Mit technischem Know-how und der richtigen Ausstattung gelangen sie so an Märkte, zu denen sie zuvor nie Zugang hatten."
<< zurück
"Aufbruch im Netz" von Torsten Arndt
- Artikel aus politik-digital.de vom 15.11.2001 -
"Die Bilder aus Afrika, die uns in den Nachrichten regelmäßig gezeigt werden, lassen kaum glauben, dass sich auch dieser Kontinent aufgemacht hat, den Cyberspace zu erobern. Das Beispiel Mercy Wambuis zeigt, dass diese Eroberung schon weiter fortgeschritten ist, als viele denken. Die Kenianerin arbeitet für die UNECA (United Nations Economic Commission for Africa) und engagiert sich besonders für die Integration afrikanischer Frauen in die Netzgesellschaft.
Afrika hat in den letzten Jahren trotz der eher ernüchternden politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Fortschritte auf dem Gebiet der Internet-Anbindung gemacht. Waren 1996 erst 11 Länder an das Netz angeschlossen, so haben heute alle Staaten eine permanente Verbindung. Auch die Zahl der ständig angeschlossenen Computer ist steil angestiegen, von 1999 bis 2000 allein um 20-25%.
Dass das digitale Nord-Süd-Gefälle trotzdem noch lange nicht überwunden ist, zeigt ein relativierender Blick auf diese Zahlen: Während in Europa ca. 41% der Bevölkerung online gehen, sind es in Afrika nur etwa 0,5%. Die Zahl der permanent verbundenen Computer entspricht trotz der starken Zunahme immer noch etwa dem Niveau eines kleinen Landes wie Lettland. Zudem hat sich das Wachstum der Internetzugänge vor allem auf die Hauptstädte konzentriert, weite Landesteile sind in der Regel von der Entwicklung ausgeschlossen.
Zum Teil lassen sich die Diskrepanzen zwischen der Nord- und Südhalbkugel auf die großen Kostenunterschiede zurückführen: Für 1 Stunde im Internet müssen Afrikaner im Durchschnitt umgerechnet etwa 7,50 DM bezahlen. Zum Vergleich: In Deutschland zahlen Surfer nur noch selten mehr als 2 DM für die Stunde. Angesichts der verbreiteten Armut in Afrika wundert es nur wenig, dass diese Summe für die meisten eine unüberwindliche Hürde darstellt.
Andere gravierende Probleme bereiten die vielen verschiedenen Sprachen, der verbreitete Analphabetismus und der Mangel an technischem Know-How. Mercy Wambui sieht die Möglichkeit, wenigstens einige dieser Probleme zu lösen und fordert die Entwicklung nationaler Informations- und Kommunikationsstrukturen. Sie setzt sich dafür ein, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine gerechte und sinnvolle Nutzung der entsprechenden Technologien ermöglichen.
Afrika wird bei der Implementierung dieser Technologien die Eigenheiten afrikanischer Kulturen berücksichtigen müssen. In der Vergangenheit wurde oft vorausgesetzt, dass sich westliche Werte und Interessen einfach übertragen lassen. Praktisch bedeutete dies auch, dass die Inhalte der Angebote kaum Bezug zum Alltag in afrikanischen Ländern hatten. Manche Kritiker der westlichen Dominanz befürchten zudem den Verlust kultureller Identitäten und die Entstehung einer kommerzialisierten Allerweltskultur. Gleichberechtigung im Internet.
Ein anderes Problem des afrikanischen Internetaufbruchs bewegt Mercy Wambui besonders: In Afrika sind Frauen bisher im Zugang zu den neuen Technologien stark unterrepräsentiert und profitieren kaum von der Entwicklung. Zu geringe finanzielle Mittel und eine ungenügende Ausbildung gehören auch hier zu den Hauptursachen für die Benachteiligung. Dazu kommen die immer noch weit verbreiteten Vorurteile einer von Männern dominierten Gesellschaft, die Frauen ein technisches Verständnis generell abspricht.
Dieser Zustand soll sich ändern. Neben der UNECA gehört vor allem die APC (Association of Progressive Communication) zu den Organisationen, die sich hier besonders engagieren. Ihr Womens-Networking-Support-Program für die Region Afrika versucht, die Netz-Gleichheit der Geschlechter auf dem Kontinent durch Forschung, Informationen und Bildungsangebote zu fördern.
Das APC-Programm steht in engem Kontakt zu WomenAction, einer anderen wichtigen Organisation zur Förderung der Frauenrechte. WomenAction möchte nicht nur den Internet-Zugang weiblicher Nutzer fördern, das Netzwerk aus vielen internationalen NGOs hat es sich auch zum Ziel gesetzt, das klischeebeladene Frauenbild im Netz zu überwinden. Berufen können sich diese Initiativen auf die Peking+5 Konferenz, die als ein Meilenstein für Frauen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung und besseren Zugangsmöglichkeiten zu neuen Technologien gilt. Das von der UNO initiierte NGO-Treffen fand im Juni 2000 in New York statt und zog eine Bilanz des Erreichten seit dem ersten Treffen in Peking 1995. Dort war eine Grundsatzerklärung zur Durchsetzung der Gleichberechtigung der Frauen verabschiedet worden. Dank solcher Initiativen und Organisationen wie der UNECA, WomanAction oder der APC beginnen die Regierungen auf dem Kontinent langsam zu verstehen, dass die technologische mit der gesellschaftlichen Entwicklung einher gehen muss. Mercy Wambui ist in dieser Hinsicht gleich in mehrerer Hinsicht Vorbild für andere."
<< zurück
"Über das Netz" - Weibliche und feministische Räume von Birgit Poppke
aus womanticker vom 19.11.2001
Die Konferenz "feminist_spaces" nimmt einen dreißigjährigen Faden wieder auf und bezieht natürlich auch die Globalisierung mit ein. Virtuelle feministische Räume und die Netzwerkgesellschaft, sind sie eine reelle Chance für eine reale Frau? Für Feministinnen? Ich wurde eingeladen, den vierten Workshop mit dem fragendem Namen "Neue Geschlechterarrangements durch neue Technologien?" zu moderieren.
Erfahrungen mit dem eigenen Körper mitzuteilen oder zu teilen. Das sei oft der Grund für die erste Zuwendung zum Netz, resümiert Wendy Harcourt. Die in Rom lebende Australierin ist Autorin des Buches, Women@Internet: creating new cultures in cyberspace (1999). Das Konzept dieser, von der Heinrich Böll Stiftung organisierten Tagung, wurde frei nach ihrem Buch gestaltet; Es ist demnach ein sozial- und kulturpolitischer Ansatz. Wendy Harcourt präsentierte uns viele weibliche, viele feministisch-geprägte und wenige feministische Internet-Präsenzen. Doch wo genau ist da der Unterschied?
Wie so oft erschienen mir nicht die Antworten, sondern vielmehr die Fragen der Referentinnen interessant und aufschlussreich: Wissen wir wer wir sind? Sind wir wirklich präsent? (Gillian Youngs, University of Leicester) Ist die Technologie überhaupt ein Thema, an dem ein anständiges Mädchen Interesse haben sollte? (Amy Bruckman, College of Computing, USA). Gibt es eine Unterbrechung in den unendlichen Stereotypen? (Ursula Pasero, Universität Kiel)
Nach vier Vorträgen konnten die Themen in vier Workshop vertieft werden. Ich wurde eingeladen, den Vierten mit dem Namen "Neue Geschlechterarrangements durch neue Technologien" zu moderieren. Zwei hochdotierte deutsche Wissenschaftlerinnen saßen mir zur Seite; Prof. Gabriele Winker ist eine der aktivsten deutschen Hochschulfrauen im Bereich Frauen und IT. Sie ließ in ihrem Diskussionsbeitrag keinen Zweifel daran, dass Frauen immer noch unterrepräsentiert sind. Internet und vor allem Internet-Wirtschaft und -Politik seien ohne Zweifel männerdominiert. Das sagen die Statistiken.
Dr. Ursula Pasero, Expertin zum Thema Konstruktion von Geschlecht untersuchte hingegen eher die Möglichkeiten, die das Netz zu bieten hat. Beispielsweise durch die Eigenschaft der Unsichtbarkeit. Jede/r kann im Netz das sein was sie/er will. Das bedeute eine "Dekonstruktion" von Stereotypen. Auf der anderen Seite liege - durch die Komplexität des Internet - die Gefahr einer Superstereotypisierung nahe (Ein Zuviel an Möglichkeiten bewirkt oft das Zurückziehen auf übersteigerte stereotype Verhaltensweisen).
Daraufhin kam etwas schleppend - wir hatten eine harte Nuß zu knacken - die Diskussion in Gang: Große Hoffnungen seien es gewesen, die einst den Konsens hervorbrachten, das Internet sei eine Chance für Frauen. Empirische Untersuchungen der letzten Jahre liefern keine entsprechenden, schnellen Ergebnisse, - das Internet ist ein Medium, kein Patentrezept.
Wie geht es also weiter? Kann uns das Internet wirklich helfen, vorhandene Stereotypen abzuschwächen? Der weibliche Einfluss auf die Technik sei wichtig. Deshalb benötigen wir viele Frauen in den entsprechenden Berufen; Das ist eine bekannte, beliebte und nebenbei auch noch regierungstreue Empfehlung. Ohne Stereotypen abzubauen, auch ohne die Schaffung einer weiblichen Technik sei die "Förderung von Vielfalt" eine Möglichkeit. "Managing diversity" wird erwähnt; es ist ein Ansatz, mit dem ohne zu bewerten, ohne zu verändern, die Verschiedenartigkeit der (Produkt?)-Bedürfnisse zu bedienen versucht wird.
Wendy Harcourt macht uns darauf aufmerksam, dass wir womöglich eine typisch deutsche Diskussion führen. Vielleicht müssen wir uns wirklich nicht derart den Kopf über die Dekonstruktion von Stereotypen zerbrechen? Vielleicht werden die Grenzen in unseren Köpfen wirklich von allein durchlässiger, wenn wir die Augen öffnen für die vielen unterschiedlichen Ausprägungen von Stereotypen, die es auf der Welt gibt. Vielleicht gibt uns das mehr Handlungsfreiheit?
An die Teilnahme, die Inanspruchnahme und an Aktivitäten von Frauen im Internet wurde von beiden Wissenschaftlerinnen appelliert. Das sind auf alle Fälle Vorrausetzungen - und die Aussage ist genauso banal wie richtig - die zumindest für eine Präsenz der "Frauen" im Internet sorgen, wenn auch noch lange nicht für neue Geschlechterarrangements.
<< zurück
"Geist des Informationalismus" - Die Weltwirtschaft wird dank Internet zur globalen Wirtschaft. Eine brillante Synthese der Veränderungen bietet Manuel Castells im ersten Band seiner Trilogie 'Die Netzwerkgesellschaft' von Robert Misik
- Auszüge aus der taz vom 20.11.2001 - Vollständiger Text >> PDF zum Download
"War einst das Symbol der Wirtschaftsorganisation die fordistische Fabrik und das Symbol für die moderne Wissenschaft das Atom, so sind beide heute passé. Das neue Symbol ist das Netz. "Die Netzwerk-Logik, verkörpert durch das Internet, ist nun auf jeden Tätigkeitsbereich anwendbar, auf jeden Zusammenhang", die Netzwerke bilden die "neue soziale Morphologie unserer Gesellschaft", schreibt Manuel Castells in seinem nun auf Deutsch erschienenen Buch "Das Informationszeitalter". Es ist der erste Band der 1.500 Seiten umfassenden Trilogie "Die Netzwerkgesellschaft", die zuerst ab 1997 in den USA verlegt und begeistert aufgenommen wurde. Das Opus werde einst mit Max Webers "Wirtschaft und Gesellschaft" verglichen werden, jubilierte etwa Anthony Giddens, selbst kein Kleiner seiner Zunft." (...) "Neutral ist die Technik deswegen noch lange nicht. Die ungleiche Ankunftszeit in der "Internet- Konstellation" wird, beispielsweise, "dauerhafte Konsequenzen für das künftige Muster der Kommunikation und Kultur auf der Welt haben" (Castells). Der Raum, den die Netzwerk-Logik öffnet, ist einer der binären Logik: innen und außen; online oder offline; null Distanz, sofortige, unbeschränkte Zugriffsmöglichkeit oder unendliche Distanz, totale Unerreichbarkeit; hier oder nirgendwo. Sie produziert ihre neuen, radikalisierten Ungleichheiten, das "Gewusst, wie", auf dem sie beruht, und die kulturellen Patchwork-Codes, die sie generiert, schließen jene aus, die diese nicht beherrschen. Die "Unterklassen" und "Marginalisierten" werden buchstäblich zu "Abgeschalteten" und können sich der Netzwerke nur bedingt bedienen, meist vermittelt über privilegierte Fürsprecher."
"Castells argumentiert gegen die Simplifizierung aller Theorien des Postindustrialismus, gegen die Jeremiaden von der Globalisierungsfalle: Schwarzbücher sind seine Sache nicht; bisweilen lappt er ins Apologetische, vom Marxismus blieb Castells, der vor 34 Jahren aus dem Spanien General Francos geflohen war und der sich heute als Sozialdemokrat europäischem Zuschnitts sieht, immerhin die Fortschrittsidee, das emphatische Bekenntnis zu seinem Zeitalter. Das nimmt dem Opus wenig, denn meist wendet er sich gegen die vorschnellen Urteile mit einer Fülle von Material, Zahlen, Daten, Statistiken - banal wird er nie. Wobei dem Professor zum Vorteil gereicht, dass er die Slums in Chile ebenso gesehen hat wie die Hightech-Paläste des Silicon-Valley, dass er zum Beraterkreis von Boris Jelzin zählte und zu dem der Europäischen Kommission, dass er die japanischen und koreanischen Konzernnetzwerke ebenso aus der Nähe kennt wie die chinesischen Wirtschaftsreformer. Ohnehin bilden die Gegenbewegungen und Protestkulturen das Thema des zweiten Bandes der Trilogie ("Die Macht der Identität"), die dunklen, schwarzen Ränder das des dritten ("Jahrtausendwende"): Die Spannung zwischen "dem Netz und dem Selbst", die Netzwerke der globalen Kriminalität, der Drogenökonomie, all diese Reaktionen und Folgen der Transformation mithin werden im ersten Band nur angedeutet."
<< zurück
Aktualisiert: 13.02.2005
|