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    Wirtschafts- und Finanzpolitik |  Workshop am 10. Juli 2001 



"Das Grüne Grundsatzprogramm" |  Geschlechterpolitische Perspektiven und feministische Visionen?


Veranstalter: Feministisches Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Ort: Berlin

Referentin: Mascha Madörin, Schweizer Makroökonomin und Volkswirtschaftlerin

Zusammenfassung
Grundlage ihrer Analyse ist das Kapitel „Aufbruch in eine ökologische und soziale Marktwirtschaft. Im Programm läßt sich nur eine neoliberale Wirtschaftskonzeption finden, die wesentliche Faktoren der Beeinflussung wirtschaftlicher Dynamik vernachlässigt, vor allem die Geschlechterverhältnisse. Das führt „zu falschen wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen“.

Notwendig wäre, ein eigenes Kapitel einzufügen, welches beschreibt, „was wir Wirtschaft nennen“. Ansatz einer emanzipativen Wirtschaftstheorie und –politik sollte die explizite Anerkennung der gegenwärtigen sozio-ökonomischen Asymmetrie zwischen Frauen und Männern sein. Diese Asymmetrie kommt darin zum Ausdruck, dass Frauen strukturell arbeitsüberlastet sind, während „Erwerbsförderungs- und Entwicklungsprojekte“ fälschlicherweise davon ausgehen, „daß Frauen freie Arbeitskapazitäten haben“. Hintergrund dieses Mißverhältnisses ist, daß in den gängigen Wirtschafttheorien die Arbeit von Frauen vor allem in den „Care-Bereichen“ wie Haushalt, private Alten- und Krankenpflege, Kindererziehung, ehrenamtliche Tätigkeiten etc. nicht als Arbeit verstanden wird, obwohl diese Tätigkeiten ganz wesentlich zur Produktivität des globalen Wirtschaftsystems beitragen.

Dem stellt Madörin den Ansatz einer Wirtschaftstheorie entgegen, die „die bezahlte und unbezahlte Arbeit und die Ökonomie aller Lebensbereiche mit einbezieht“ und analysiert (60% des Brutto-Inlandsprodukts ist Hausarbeit – „es handelt sich um den grössten Wirtschaftssektor der Welt“). Denn für sie ist „die Krise der Arbeitsgesellschaft“ vor allem auf das Auseinanderdriften von Arbeitsproduktivitäten zurückzuführen, wozu gehört, daß persönliche Dienstleistungen und der Care-Bereich nicht wie andere Wirtschaftsbereiche „beliebig rationalisiert werden können“.

Madörin fordert entsprechend die Aufwertung dieser Care-Bereiche, die ebenso wie die Arbeitsbereiche der Wirtschaft als Produktionsstätten betrachtet und bewertet werden müssen. Vor diesem Hintergrund sollten folgende Punkte ins Programm aufgenommen werden: 

  • Die „Krise der Care-Ökonomie“ und die unter- und nicht bezahlte Arbeit der „Care-Industrie“ als frauenspezifischer Tätigkeitsbereich; Konzepte für gesetzlich geregelte Verfahren, die Care-Industrien durch angemessene Entlohnung aufwerten. 
  • Unter dem Stichpunkt Engendering budgets ein Vergleich und eine Kritik der unterschiedlichen Entlohnung der Geschlechter bei gleichwertiger Arbeit. 
  • Eine Analyse der Ökonomie im Hinblick auf das Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen.

Generell vermißt Madörin im Programmentwurf ein Wirtschaftsprogramm für die Zivilgesellschaft, das einerseits eine „Ökonomie der Grundbedürfnisse“, andererseits die Rolle und Funktion der Privatwirtschaft sowie der Steuerpolitik für Unternehmen thematisiert.

Text des Beitrags von Mascha Madörin als >>  PDF zum Download


Aktualisiert: 13.02.2005, hbr