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Genderpolitik | Workshop am 10. Juli 2001 |
"Das Grüne Grundsatzprogramm" | Geschlechterpolitische Perspektiven und feministische Visionen?
Veranstalter: Feministisches Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Ort: Berlin
Referentin: Mechthild Jansen, Sozialwissenschaftlerin und Publizistin
Zusammenfassung
Grundlage der Analyse von Jansen sind vor allem die Kapitel „Aufbruch in eine emanzipative Sozialpolitik“ und „Aufbruch zur demokratischen Erneuerung“. Nach Jansen ist der Entwurf des Grünen Grundsatzprogramms nicht auf der Höhe der Zeit, der Möglichkeiten und den politischen Notwendigkeiten. Frauen kommen als politisch-gesellschaftlich gestaltende Kraft nicht vor. Gleichberechtigung als Frage universeller Menschenrechte wird nicht erörtert.
Eine Infragestellung herrschender Verhältnisse fehlt. Ihre zentrale These: Solange die patriarchale Welt nicht in Frage gestellt wird, wird Geschlechtergerechtigkeit nicht umgesetzt werden. Denn Geschlechtergerechtigkeit ist eine entscheidende, alle gesellschaftlichen Bereiche betreffende globale Frage und muss herausgehoben so behandelt werden. Sie kritisiert, dass Gendermainstreaming als Querschnittsaufgabe in den verschiedenen Bereichen nicht berücksichtigt wird und problematisiert den Begriff der „Geschlechtergerechtigkeit“ in der angewandten Verwendung, wenn er sich nicht auf Fragen der Definitions- und Gestaltungsmacht bezieht. Insbesondere kritisiert Jansen,
- dass neue Ungleichheiten nicht in den Blick geraten,
- dass es eher einen Rückfall in traditionelle Betrachtungsweisen gibt, z.B. Frauenpolitik als Unterarm anderer Politikfelder wie der Sozial- und Familienpolitik betrachtet wird,
- dass die relevanten globalen Fragen lediglich additiv aufgeführt, aber nicht inhaltlich entwickelt werden (z.B. in einer gemeinsamen Betrachtung von Ökologie, Demokratie und Geschlechtergerechtigkeit).
Sie hält einen Paradigmenwechsel für erforderlich, bei dem feministische Erkenntnisse zentrale Prüfkriterien für Geschlechtergerechtigkeit sind. Sie sieht es als „historische Herausforderung“ an, folgende Punkte aufzunehmen:
- ein neues Denkparadigma in Bezug auf Werte wie Gleichheit, das auch die Kategorien Geld und Soziales beinhaltet und nicht – wie bisher – auseinander dividiert
- eine Neudefinition von Grundrechten, die auf das Individuum bezogen werden sollen und Gestaltungsmöglichkeiten mitdenken
- individuelles Recht in Bezug zu anderen: Menschenrechte setzen und neu definieren.
Vollständiger Text von Jansen als >> PDF zum Download
Aktualisiert: 13.02.2005, hbr