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Pressebericht zur Veranstaltung am 15. Januar 2001 |
"Afghanistan - Entrechtung und Unterwerfung" | Zur Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan und Perspektiven zu ihrer Unterstützung
Veranstalter: Feministisches Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung
Ort: Berlin
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 15.1.2001:
„Der Kartoffelsack macht jede Frau zum Gespenst. Zur Lage der Frauen in Afghanistan: Welche Möglichkeiten hat der Westen, ihnen zu helfen?“
von Iris Hanika
Nach wie vor werden in Afghanistan, wo momentan eine Hungerkatastrophe droht, Frauen und Mädchen unterdrückt und entrechtet. Die Burqa steht als einprägsames Zeichen dafür. Was sich als gesellschaftliche und politische Machtstrukturen quasi unter diesem Ganzkörperschleier verbirgt, ist Thema der Informations- und Diskussionsveranstaltung „Afghanistan. Entrechtung und Unterwerfung. Zur Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan und Perspektiven zu ihrer Unterstützung“, an der es insbesondere um die Frauen- und Mädchenbildung gehen soll. Fünf Referentinnen, davon drei Afghaninnen, analysieren die Lage und zeigen Perspektiven zur Veränderung auf ...
„Kaum ein Land kann man sich vorstellen, wo es den Frauen schlechter ginge, als das Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban. Es ist grotesk, wie unerbittlich die Frauen dort unterdrückt werden. Kaum nämlich hatten die Taliban (arabisch für „eifrig Suchende“), eine Miliz gehirngewaschener junger Männer, im September 1996 die Hauptstadt Kabul erstürmt, schon begannen sie mit der Beseitigung der Frauen aus der Gesellschaft: Die Frauen durften nicht mehr arbeiten und überhaupt nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten auf die Strasse gehen. Damit nicht genug müssen sie ausserhalb des Hauses immer die Burqa tragen, einen Ganzkörperüberwurf, gegen den der Tschador, den die iranischen Frauen zu tragen gezwungen sind, wie ein frivoles Kleidchen erscheint.
Die Burqa verhüllt vom Kopf bis zu den Zehen den ganzen Körper, von dessen Form dann nicht einmal mehr etwas zu ahnen ist. Das europäische Äquivalent dazu wäre der Kartiffelsack. Damit die Frau, die es unter der Burqa irgendwie ja doch noch gibt, sich überhaupt fortbewegen kann, ist der Stoff vor den Augen durchbrochen; dort ist ein Gitter eingehäkelt. Unter einer Burqa sieht man wahrscheinlich noch weniger als ein Pferd mit Scheuklappen. In Europa wird so etwas nur von Gespenstern getragen, und genau so: immateriell wie Gespenster wünschen sich die Taliban die afghanischen Frauen. Die Ideologie, mit der sie das begründen, holen sie sich aus dem Koran; tatsächlich werden hier aber die überkommenen Stammesbräuche der Paschtunen, der grössten Bevölkerungsgruppe Afghanistans, in die Neuzeit fortgeschrieben.
Die Bekleidung ist nun nicht das Allerschrecklichste; viel schlimmer noch ist, dass Mädchen die Bildung verwehrt wird und Frauen die Möglichkeit zum Gelderwerb, so dass Frauen ohne Männer aufs Betteln angewiesen sind; Witwen etwa, die es infolge des Bürgerkrieges zahlreich gibt. Die Selbstmordrate unter den afghanischen Frauen ist hoch, das allgemeine psychische Elend nur zu ahnen.“
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Aktualisiert: 13.02.2005