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    Erfahrungen im Onlineseminar - Feedback der StudentInnen

 


Im Anschluss an das transnationale Onlineseminar "Aufbruch nach Mitteleuropa" im Wintersemester 2001 haben Lehrende und Studierende ihr gemeinsames Seminarexperiment ausgewertet.
Das Online-Feedback war sehr positiv. Lesen Sie selbst ...


"Kein Platz für Ängste, Eitelkeiten, Siegerposen"

" Das Internet war eine vollkommen neue "Seminarerfahrung". Aus meiner subjektiven Sicht bestand der Unterschied gegenüber einem normalem Seminar vor allem in der Tatsache, dass die übliche Gruppenverhaltensweisen, die ich von den meisten Seminaren kenne, durch die Platzierung der Diskussion im Netz durchbrochen wurden. Damit meine ich nicht nur die zentrale Rolle des Dozenten als Moderator, sondern auch das Verhalten der Studenten untereinander. Die so übliche Aufteilung der Studenten in zwei Gruppen, in jene die zu viel schweigen und jene die zu viel reden, hatte es in den Diskussionsrunden auf der Plattform nicht gegeben. Es gab keinen Platz für das psychologische Netz aus Ängsten, Eitelkeiten, rhetorischen "Ich habe doch gesiegt" Posen und Komplexen. Jeder hatte jede Zeit die Möglichkeit seine Meinung zu äußern und konnte dies in seinem individuellen Tempo tun. Dies machte die Diskussion fachlicher und tiefgründiger...."
Markus G. aus Münster


"Allein arbeiten können und trotzdem in der Gruppe sein"

" ...Obwohl wir viele technische Schwierigkeiten hatten, da viele von uns keinen Computer zu Hause haben, gefällt mir die Idee, sich zu jeder beliebigen Zeit einzulogen. Man schreibt etwas hinein, wenn einem etwas einfällt und wenn man dazu Lust hat. Man arbeitet die ganze Zeit allein und trotzdem in einer Gruppe - es wird diskutiert, kommentiert, jeder liest den Beitrag von den anderen und auf diese Weise wird kommuniziert, was ich für besonders wichtig halte. Dieses Medium, was für viele von uns etwas ganz Neues ist, hat mich begeistert, denn zu Hause sein, alltäglich zu leben und zur gleichen Zeit etwas Neues zu lernen und zu erleben und dadurch auch andere kennen zu lernen, ist wirklich etwas Tolles!"
Iren aus Zagreb


"Ungehemmte und offene Diskussion"

" ... Durch den Dialog wurde ein Verständnis der jeweiligen Perspektive oder Ansicht ermöglicht, der die verschiedenen Haltungen in der Mitteleuropa-Debatte deutlich machte. Nicht zuletzt sind zwei Aspekte für diesen Informations- und Erfahrungsaustausch verantwortlich: der anonyme Charakter der Seminarteilnehmer im Netz, der eine ungehemmte und offene Diskussion mittels des Mediums Internet erlaubt; sowie die schriftliche Form der Diskussion, die dadurch sachlich und konkret wird, und den Teilnehmer so mehr (als in mündlicher Form) zum Nachdenken und Erarbeiten anregt. Der interdisziplinäre Charakter des Seminars hat ebenfalls viel zu der spannenden Diskussion beigetragen, weil so nicht nur die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede der Teilnehmer die Diskussion stark beeinflussten, sondern eben auch die disziplinären Differenzen. Diese Unterschiede haben der Internet-Diskussion einen lebendigeren und vielseitigen Charakter verliehen. So stellte ich zum ersten Mal seit vier Semestern fest, dass es tatsächlich Seminare gibt, in denen man nahezu jedes Mal über eine Stunde überzieht, ohne es überhaupt zu merken ...."
Adam aus Münster


"Sich Perspektiven der anderen bewusst machen"

"An diesen Seminar teilzunehmen, war für uns eine gute und besondere Erfahrung. Wir sind früher nicht mit einer solchen Unterrichtsform konfrontiert worden und gerade deswegen hatten wir große Neugier und Lust mitzumachen. Einige von uns haben sowohl am Computer zu arbeiten gelernt als auch eine allgemeine Einsicht über Europa bekommen. Wir haben begriffen, dass auch eine andere Welt besteht, die anders als unsere aussieht. Der wichtigste Wert dieses Seminars war, Perspektiven der anderen bewusst zu machen. Während wir uns mit dem Begriff "Mitteleuropa" beschäftigt haben, haben wir begonnen nachzudenken, wie das zukünftige Europa überhaupt aussehen sollte. (...). Es wäre sehr nützlich für uns als künftige Lehrer und besonders für unsere Schüler, wenn wir solch einen Unterricht per Internet gestalten könnten. Und zwar deshalb, weil man dadurch vom Anfang an die Schüler für eine "neue Welt" erziehen könnte ..."
Marijana, Helen und Blazenka aus Zagreb


"Ein anderes kommunikatives Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden"

" ... Die unmittelbare Erfahrung von anderen Diskurszusammenhängen wie einer anderen Diskussions- und Lernkultur hat sicherlich ebenso zum Lernerfolg des Seminars beigetragen, wie die Möglichkeit die Diskussionen umfassend zu vertiefen, und auch nachträglich noch einmal nachzuvollziehen, wie es die asynchronen Diskussionsforen der Plattform ermöglichen. Auch das Open Forum - insbesondere das Café - hat viel dazu beigetragen, dass sich auf der Plattform eine neue Kommunikations- und Diskussionskultur entwickeln konnte, die das Gelingen eines solchen Seminars erst möglich gemacht hat. Eine neue Erfahrung in diesem Sinn war es auch, dass sich auch zu den Lehrenden ein ganz anderes kommunikatives Verhältnis herausbildete, als man es von regulären Seminaren her kennt. So hatte ich den Eindruck, dass sich die Lehrenden ganz anders auf Diskussionen eingelassen haben und einlassen konnten, als es im regulären Frontalunterricht überhaupt möglich ist, so dass die Lehrenden nicht bloß ihr Wissen vermittelt, sondern vielleicht auch selbst neue Einblicke in die ein oder andere Perspektive gewonnen haben."
Markus aus Münster


"Zwei Länder, ein Thema"

" ... Es war eine ganz neue Weise, ein Seminar auf unserer Universität zu führen. Das Internet bedeutete für uns etwas ganz Neues, aber auch die Konzeption das Seminars über Mitteleuropa. Das Internet hat uns neue Möglichkeiten des Deutschunterrichts eröffnet sowie den Meinungsaustausch außerhalb der Grenzen Kroatiens ermöglicht (...).
Als wir einige Texte und Theorien über Mitteleuropa gelesen hatten, konnten wir mit den Studenten aus Münster diskutieren. Das hat uns ermöglicht, eine These zuzustimmen oder nicht und mit anderen Studenten zu diskutieren. Unsere Partner waren die Studenten aus Münster. Zwei verschiedene Länder haben über ein gemeinsames Thema gesprochen, was eigentlich eine Interkulturelle Interaktion war .."
Helena aus Zagreb


"Argumentieren lernen"

" ... Was ich gelernt habe und was ich gut finde: bevor dieses Seminar dachte ich, dass es ziemlich schwer ist etwas Sinnvolles über solch ein Thema und noch auf gutem Deutsch zu schreiben. Es ist gar nicht so schwer und gerade bei diesem Seminar habe ich gelernt wie man einen guten Beitrag mit Argumenten schreiben soll. Wenn es um den Begriff Mitteleuropa geht, kann ich nicht so eindeutig sagen was ich gelernt habe, denn zu einer Definition Mitteleuropas sind wir nicht gekommen. Trotzdem habe ich erfahren, dass es im heutigen Europa nicht möglich ist, dass sich einige Länder isolieren und dass der Begriff "Nation" überhaupt nicht so einfach wie ich früher dachte ist. 2.Was ich nicht gut finde. Technische Probleme waren leider ständig anwesend, weil für ein solches Seminar ständiger Zugang zum Computer notwendig ist und das hatten wir leider nicht ..."
Ana aus Zagreb

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Aktualisiert: 13.02.2005, hbr