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  Erstes Gunda-Werner-Kolleg zum Thema

 


'Geschlechterdemokratie und Organisationsform im globalen Kontext'

Die Bedeutung der Frauenbewegungen für die Modernisierung von Gesellschaft, insbesondere für Veränderungen im Geschlechterverhältnis, ist wenig erforscht. Dieses Thema stand im Zentrum des im Jahr 2000 eingerichteten Gunda-Werner-Promotionskollegs „Geschlechterdemokratie und Organisationsreform im globalen Kontext“.

Gesellschaftlicher und wissenschaftspolitischer Hintergrund

Frauenbewegungen agieren seit langem auf internationaler Ebene: entweder thematisch als Bewegungsvernetzung oder im Dialog und in Konfrontation mit und gegen internationale Organisationen. Beispielhaft dafür sind die UN-Weltkonferenzen für Frauen. Sie sind ein Ergebnis dieser umfassenden lokalen bis internationalen Frauenaktivitäten und Netzwerkarbeit. Die Europäische Kommission hat „Gender Mainstreaming“ als Strategie beschlossen. Damit sind alle Institutionen für geschlechterdemokratische Verfahren in den eigenen Reihen zuständig. Die Hälfte aller Mittel und Entscheidungspositionen sollen an Frauen gehen. Auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändern sich u.a. durch neue Steuerungskonzepte zwischen Markt und Staat. In betrieblichen Organisationen finden Gleichheitsvorstellungen allmählich Resonanz. Frauen nehmen Führungspositionen ein. Geschlechtsspezifische Diskriminierungen werden abgelehnt. “Weibliche” Führungsstile sind Bestandteil moderner Managementkonzepte.

Die neuen Frauenbewegungen haben eine grundlegende Kritik der asymmetrischen Geschlechterkultur, Institutionen und Machtverhältnisse entwickelt. Doch ihre Reflexion der eigenen Strukturen, Prozesse und demokratisierenden Mechanismen ist bisher wenig kritisch untersucht. Aus diesem „reflexiven Potential“ aber ergibt sich eine langwirkende Reichweite und Tragfähigkeit ihrer Impulse für institutionellen und geschlechterdemokratischen Wandel, auch im globalen Kontext.

Leitfragen

  • Welche internationalen Strategien und Vernetzungen entwickeln Frauenbewegungen?
  • Inwieweit haben Themen und Strategien der neuen Frauenbewegungen Einfluss auf Organisationsreformen?
  • Welche neuen Möglichkeiten für Geschlechterdemokratie entstehen im Zuge von Organisationsreformen auf nationaler wie internationaler Ebene?
  • Welche neuen Strategien ergeben sich im Kontext der Globalisierung für feministische Theorie und Praxis?

Betreuende Professorinnen

Das Kolleg wurde von Prof. Dr. Ilse Lenz (Ruhr-Universität Bochum) und Prof. Dr. Ursula Müller (Universität Bielefeld) betreut. 

  • Ilse Lenz ist Professorin für Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum und Mitherausgeberin der Reihe "Geschlecht und Gesellschaft" im Leske-und Budrich Verlag. Forschungsschwerpunkte sind u.a. Globalisierung und Geschlecht, Arbeitsmarkt und Geschlecht und Frauenbewegungen im internationalen Vergleich.
  • Ursula Müller ist Professorin für sozialwissenschaftliche Frauenforschung an der Universität Bielefeld und Leiterin des Interdisziplinären FrauenforschungsZentrums (IFF). Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören „Geschlecht und Organisation“ (z.B. in den Bereichen Polizei und Hochschule) sowie „Diversity“.

Kollegiatinnen und Promotionsthemen

Das übergreifende Forschungsthema war die Entwicklung von neuen Frauenbewegungen in verschiedenen Regionen der Welt, ihr Einfluss auf die Gestaltung der Globalisierung und auf den Wandel von Organisationen: 

  • Yin-Zu Chen: Möglichkeiten und Grenzen internationaler Frauenförderung durch regionale Netzwerke am Beispiel Lateinamerikas
  • Karin Gabbert: Sexuelle Belästigung in der Armee der USA
  • Mihee Hong: Der Wandel des Geschlechterverhältnisses und die Frauenbewegung in Südkorea
  • Dr. Sabine Marx: Kommunikation im Arbeitsteam. Eine Fallstudie mit Ingenieurinnen und Ingenieuren.
  • Susanne Schultz: Müttersterblichkeit zwischen Risiken und Rechten. Eine Diskursanalyse zur Medikalisierung internationaler Bevölkerungspolitik
  • Dr. Kristina Schulz: Geschlecht und Gleichheit: Männliche Herrschaft und weiblicher Protest. Eine vergleichende Studie der neuen Frauenbewegungen in Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland (1968-1980/1)
  • Helen Schwenken: Die Selbstorganisierung von Migrantinnen in der Europäischen Union und ihr Einfluss auf Perspektiven europäischer Migrationspolitik
  • Hiromi Tanaka: Die Entwicklung von Frauenpolitik und Frauennetzwerken in Japan vor dem Hintergrund der UN-Dekaden der Frau 1975-2000

Die Ergebnisse der einzelnen Forschungsarbeiten wurden auf einer Abschlussveranstaltung zum 1. Gunda-Werner-Kolleg am 13. Juni 2003 in Berlin vorgestellt. Stand der Promotionen. [Ergebnisse

 

 

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Aktualisiert: 19.12.2005, str