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Geschlechterdemokratie - Leitbild der Heinrich Böll Stiftung |
Eine Textspur von Gunda Werner *
Von Gunda Werner und Henning von Bargen
Wer kennt das nicht? Eine innovative Idee entsteht, viele sind begeistert, aber in der täglichen Arbeit ist nichts davon wiederzufinden. Um Veränderungen umzusetzen, braucht es eigene Konzepte. Unter dem Begriff "Geschlechterdemokratie" wurde in der Heinrich Böll Stiftung (HBS) ein Prozess initiiert, der die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in der Organisation zum Ziel hat.
Die HBS ist als grünnahe politische Stiftung ein Bildungsträger mit einer spezifischen Entwicklungsgeschichte. Diese muss in Teilen bekannt sein, um zu verstehen, auf welchem Hintergrund es zu diesem Konzept von Geschlechterdemokratie gekommen ist. In einer Verwaltung z.B. wird ein Veränderungsprozess mit anderen Mitteln angezettelt werden müssen. Was nicht heißt, das wir der Meinung sind, unsere Ideen seien grundsätzlich nicht übertragbar. Nur die speziellen Bedingungen in einer Organisation müssen berücksichtigt werden.
Die Vorgeschichte
Wir schreiben das Jahr 1997. Die Heinrich Böll Stiftung entsteht, indem drei Stiftungen miteinander verschmolzen werden. Eine Phase, in der eine Organisation noch extrem destabil in ihren Strukturen ist. Wichtig in unserem Kontext ist vor allem auch, dass eine dieser Stiftungen in ihrer Arbeit ein ausgeprägt feministisches Profil hat. In der FrauenAnstiftung waren nur Frauen tätig. Die politische Bildungs- und Projektarbeit sollte Frauenzusammenhänge stärken und das Empowerment, die politische Unabhängigkeit von Frauen, fördern.
In den Verhandlungen um die Fusion stellte sich die Frage, wie diese Frauenpolitik nachhaltig in eine Organisation implementiert werden könnte, deren Struktur und Aufgabe sich grundsätzlich von der Arbeit der FrauenAnstiftung unterscheiden würde. Zwei Möglichkeiten boten sich an: Entweder weitestgehend unabhängige Strukturen für die Frauen aufzubauen oder das Thema als Frauenressort in die neue Struktur zu integrieren. Die Erfahrungen aus anderen Institutionen zeigten, dass beide Alternativen bisher nicht die gewünschten Erfolge gebracht hatten. Die unabhängigen Strukturen waren zu machtlos, um einschneidende Veränderungen zu bewirken. Und als integriertes Ressort geriet das Thema an den Rand und fristete das Dasein eines ungeliebten Störfaktors.
Eine Arbeitsgruppe von Frauen und Männern aus allen drei Stiftungen beschäftigte sich engagiert mit diesen Fragen. Als Platzhalter für etwas Neues wurde schnell der Begriff "Geschlechterdemokratie" aufgegriffen. Dahinter verbarg sich kein ausformuliertes Konzept. Im Gegenteil, gerade, weil der Begriff nicht ideologisch besetzt war, bot sich für alle die Möglichkeit, ihre Überlegungen einzubringen und die bisherige Frauenpolitik der drei Stiftungen kreativ und innovativ weiterzuentwickeln, um aus Sackgassen herauszukommen. Wichtig waren der Arbeitsgruppe Ideen wie Dialog und Kooperation: alle sollten Verantwortung übernehmen; nicht von den Defiziten sollte ausgegangen werden, sondern von den Stärken.
Der erste Entwurf "Geschlechterdemokratie" für die Satzung der Heinrich Böll Stiftung enthielt drei wesentliche Elemente:
- Geschlechterdemokratie ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Damit wurde der Blick auf die Gesamtverantwortung gelenkt, sowohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch der Organisation in ihrem Ablauf und Aufbau.
- Geschlechterdemokratie ist ein Leitbild und wird als Satzungszweck festgeschrieben. Damit wurde die gesellschaftspolitische Verantwortung der Stiftung angesprochen und das Thema als leitender Wert in der politischen Bildungs- und Projektarbeit verankert.
- Sicherungssysteme sorgen dafür, den erreichten Standard zu erhalten. Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass in den einzelnen Vereinen die Frauenpolitik sowohl strukturell als auch inhaltlich auf sehr unterschiedlichem Niveau entwickelt war und ein hoher Standard abgesichert werden sollte.
Vollständiger Text als >> PDF zum Download.
* (Nachdruck aus: Entwürfe. Zeitschrift der Deutschen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung Bd. 13, Karlsruhe 1999 zum Thema "Mit der Genderperspektive Weiterbildung gestalten. Workshop zum Geschlechterverhältnis in der Bildungsarbeit" mit freundlicher Genehmigung der Herausgeberin Petra Herre)
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Aktualisiert: 31.03.2005
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